Staatsverbrechen. 565
Lern könnte. Die Todesstrafe wird hierbei als eineunpassende Strafe angesehen; denn wenn der Kapital-Verbrecher eingesperrt wird, so ist ja die Gesellschaftgegen Gewaltthätigkeit genug geschäht; denn hierdurchwird berWiderholung seines Verbrechens vorgebeugt,mithin ist der Endzweck seiner Vertilgung aus derGesellschaft erreicht. Während der Zeit seiner Ge-fangenschaft kann er sich Lurch die Reue seiner That,die er jetzt in der Einsamkeit in ihrer ganzen Größeund Abscheulichst überdenkt, vielleicht bessern, undwenn dieses nicht möalich ist, so kann er ja auf solange Zeit von der Gesellschaft ausgeschlossen werden,baß er wahrscheinlich sein Leben darüber endet. Esgab eine Zeit, wo man es kür den glücklichen Erfolgeines Krieges und für die Sicherheit der Staaten alsnothwendig ansah, die Gefangenen zu ködten oderzu Sklaven zu machen, ja daß man friedliche Bewoh-ner feindlicher Länder mit ihren Weibern und Kindernohne Unterschied vertilgte; allein der Zorn des Him-mels zeigte über dergleichen Staaten, daß sie, wie dieSündfluth aus der heiligen Schrift Alles verschlang,untergingen, in andern, daß ein ewiger Regentenwechselund ein Regentenmord, eine ewige Zwietracht zwischenBefehlenden und Gehorchenden das Bessere gar nichtaufkommen ließ, und so zerstörte das böse Prinzip alsStrafe für die vielen Laster und Gräuel daö Ganze,aus dessen Trümmern bann das neue Bessere hervor-ging. Eine waltende gerechte Nemesis, die den Schleiervon dem Verbrechen abzieht, es veröffentlicht, und sodessen Untergang bewirkt. Die Menschlichkeit siegteüber dieses Prinzip einer falschen Staatsklugheit, undwenn die Kriege auch nicht aufhörten, so sind sie dochweniger zahlreich und schrecklich geworden, und dieVölker haben weit länger den Frieden genossen. Undwenn auch Perioden kamen, wo der Krieg eine längereZeit wüthete oder in kurzen Zwischenröumen wieder-