Staatsverbrechen. L87
vorangehen, wen» auch nicht als Muster, doch alsBeweis, wie sehr man in Frankreich auch in der Ver.waltung der Staatsgefängnisse den Gefangenen nochdas Bittere seiner Gefangenschaft fühlen ließ. DieBehandlung der Gefangenen bei ihrem Ein-tritt? in die Bastille, und dann deren Fortsetzung, alsBewohner ihres Kerkers, geschah nun wie folgt. So-bald ein Gefangener durch eine I^ettrs 6s (üuvlietoder auf sonst eine Weise in die Bastille gebrachtwurde, so geschah dieses bei bedeutenden und vorneh-men Personen gewöhnlich in der Nacht, damit es keinAufsehen erregen sollte, bei andern auch am Tage, je-doch immer in einem Wagen, welcher bis in den ersteninnern Hof fuhr, wo der Gefangene aussticg und in denAudienzsaal geführt ward. Hier erschien nun der Kom-mandant des Gefängnisses und ließ deS GefangenenNamen, Stand, Alter, Herkunft, Geschlecht (denn auchFrauenzimmer wurden in die Bastille gebracht), Tagund Stunde seiner Ankunft in ein großes Buch ein-tragen. Hierauf wurden alle Koffer des Gefangenendurchsucht; dann ihm Geld, Uhren, Ringe, andere Kost-barkeiten, Messer, Scheeren rc. abgefordet, unt> Allesdieses Stück für Stück in ein anderes großes Bucheingetragen; dann dem Gefangenen gesagt, daß erselbst nachsehen und die Auslieferung, so wie die rich-tige Aufschreibung durch seines Namens Unterschriftbestätigen solle. Diese Sachen wurden dann nach ei-ner großen Halle gebracht, und in einem von DenSchränken verschlossen, deren daselbst an den Wändenso Vieleherum standen, als Gefangenzimmer in der Ba-stille waren, und wovon auch die Schränke die Num-mern führten. War der Gefangene eben nicht einMann von Stande, so wurden ihm auch alle Taschen,und was er am Leibe trug, untersucht. Nach dieserSpezialrevüe, nicht um zu paradiren, sondern um de-poullirt zu werden, ward ihm sein Kerker angewiesen.