Band 
Hundert fünf und sechzigster Theil welcher die Artikel Staatsschuld bis Staatsverwaltung enthält.
Seite
589
JPEG-Download
 

389

Staatsverbrechen.

Messer, Bartinstrumenke, in sich faßte; sie wurden erst,wie das Beil oder Schwerdt des Henkers, womit erenthauptet, in dem Augenblicke, wenn man sie gebrauchte,herausgenommen. So entstand einmal ein Aufruhrin der Pastille, den ein Herr von Lally veranlaßte,indem er sich einstmals eines Scheermessers bemäch-tigce und sich lachend weigerte, es wieder zu geben,welches doch gewiß nicht sehr grausame Absichten ver-riech; indessen wurde gleich Lärm davon im ganzenSchlosse gemacht, die Wache geholt, und zwanzig Ba-jvnette waren schon in Anmarsch, als schnell derAufruhr durch Zurückgabe des grausamen Instru-mentes und die Einsteckung inö Futteral gedämpftwurde. Dieser Lärm geschah nun nicht bloß, wegendes gefürchteten Selbstmordes, sondern wegen desSchließers und des Barbiers, welche glaubten, daßes auf ihr Leben berechnet wäre, und darum Allesin Aufruhr brachten; denn sonst ließe sich voneinem, durch so viele Mauern eingekerkerten, undnoch mit andern Lasten beschwerten Gefangenenwohl kein solcher Angriff auf zwei Personen ma-chen, die an seiner Einkerkerung gewiß ganz un-schuldig waren. — Der Wachsthum der Haare undNägel wurde gleichfalls auf eine ähnliche Weise be-schränkt; denn der Gefangene mußte sich von demSchließer eine Scheere erbitten, und im Beiseyn des-selben die Operation an den Haaren und Nägeln ver-richten: denn gleich nach derselben ward ihm das In-strument wieder abgenommen. Was nun die Kostbetraf, so wurden sieben verschiedene Klaffen vonKostgängern angenommen.— So mußten Punze undandere Personen hohen Standes täglich 50 LivreS(13 Rthlr.) bezahlen, dafür wurden sie auch nicht ineinen der Thürme, sondern in das Mittel- oder Quer-Gebäude einquartiert, welches die beiden innern Höfe> der Basiille von einander schied. Hier hatte nun je-