Staatsverbrecher. 648
Las Haus zu verlassen. Ein zweiter Courier erhieltdieselbe Antwort; aber ein dritter brachte den Befehl,daß Ihre Majestät den Kanzler schlechterdings in derConferenz erwarteten, weil eingelaufene Depeschen vonder größten Wichtigkeit seine Gegenwart unverzüglichnothwendig machten. Zu gleicher Zeit ließ die Mona»chin den Kanzler wissen, baß er, bei zu großerSchwachheit, sich allenfalls tragen lassen könne. Jetztfand weiter keine Entschuldigung Statt, und der Graferklärte, daß er sich bei der Conferenz einfinden würde.Um vier Uhr fuhr nun der Kanzler nach dem Schlosse,und während er auf dem Schlosse war, wurde die Eh-renwache vor seinem Pallaste durch eine andere, weitzahlreichere, abgelöset. Der Kammerdiener und Gar-derobier des Grafen, ein ehemaliger Höllischer Stu-dent, von dem diese Nachricht herrührt, war nunim Begriff die geheimen Briefschaften des Grafen,die unter dessen Rette in zwei kleinen Chatullenverschlossen waren, nach dem früher von feinem Herrenerhaltenen Auftrage: wenn sich Gefahr einstelle, sie zuvernichten, oder dem Feuer zu übergeben, zu ret-ten und mit ihnen beladen, die Thür zu öffnen, alsihm zwei davorstehend; Schrldwachen durch den Zu-ruf Pastoi (Steh)! den Ausgang verwehrten; erverschloß nun wieder schnell die Thür, und brachte diebeiden Chatullen wieder unter das Bett, und als ersich kaum aufgerichtet hatte, so öffneten sich die Flü-gelthüren des Zimmers, und der Feldmarschall GrafVutturlin, der Graf Schuwalow, und nocheinige Senatoren und Herren traten herein, und frag-ten sogleich nach den Chatullen mit den Briefen.Der erwähnte Kammerdiener stellte sich zwar unwis-send; allein man befahl ihm, sie unter dem Bette her-vorzuholen, wo sie stehen müßten, und so wurde er ge-zwungen, sie ohne Widerrede hervorzuholen. DieChatullen wurden nun auf einen Tisch gesetzt, um den