Staatsverwaltung. 73
thaten die Kreuzzüge; denn die Anführer der erstenKreuzfahrer waren lauter mächtige Reichsstände ausden Abendländischen Reichen, besonders aus Frank-reich, die zu diesem Zuge, wie schon oben bemerkt wor-den, große Summen nöthig hatten. Sie versetzten undverkauften also ihre Besitzungen, um dieses Geld auf-zubringen, und der weise Minister Suger benutztedieses, um dieDomainen seines Herren zu vermehren.Ein anderer wichtiger Vortheil für die Krone war es,daß von diesen Vasallen Viele in den Morgenländern,theils in den Schlachten mit den Sarazenen fielen,theils an klimatischen Krankheiten starben, und da-durch ihre Länder, wenn sie erbloS waren, der Kronezurückfielen. An dem ersten Kreuzzuge im Jahre 1095nahm kein Europäischer Regent Antheil; aber später-hin siegte das allgemeine Vorurtheil, und die fanatischeBeredsamkeit des berühmten AbtS Bernhard überden Nachfolger Ludwigs des Dicken, Ludwigden Jüngern, den Siebenten, und brachte ihngegen die Vorstellungen bes AbtS Suger dahin, das;er selbst nach dem gelobten Lande ging. Der Zug waraber so unglücklich, wie alle andere; er giebt aber denBeweis, wie eingeschränkt noch damals das Königlich eAnsehen war; denn Robert, Graf von Dreuz',Bruder des Königs, suchte den Ständen glaubend zumachen, daß die Unfähigkeit des Königs die Ursachedes unglücklich abgelaufenen heiligen Feldzuges sey, in-dem er dadurch glaubte, die Krone seines Bruders zuerhalten; allein Suger versammelte die General-Staaten (Ltats <-eu6i'aux), und verfocht darin dieAngelegenheiten des Königs so meisterhaft, daß Allesruhig blieb. Auch bei seinem Vorgänger zeigtesich das Uebergewicht der Vasallen sehr deutlich;denn alöWilhelm derEroberer, Herzog von derNormandie und König von England, den KaiserHeinrich den Fünften gegen Ludwig aufwie-