Band 
Hundert sechs und sechzigster Theil, welcher d. Art. Staatsverwaltung bis Staatswirthschaft enth.
Seite
84
JPEG-Download
 

84 Staatsverwaltung.

Jahre abhängig gemacht; denn er veranlaßte, daß derPabst Clemens der Fünfte, der unter seiner Re-gierung gewählt wurde, seinen Sitz von Rom nachAvignon verlegte; allein die gewaltsame Aufhebungdes Tempelherrn-Ordens in Frankreich, wozu derPabst Clemens die Hand bot, befleckte seine Regie-rung, besonders durch die Verbrennung des Großmei-siers Jakob Molay und des Großvisitatorö Guidieses Ordens im Jahre 1314, und, der Geschichtenach, weniger der angeschuldigten Verbrechen, als derReichthümer des Ordens wegen. Beide Geopfertenbetheuerten ihre Unschuld und die Schuldlosigkeit desOrdens bis auf den letzten Augenblick, und Einer vonBeiden soll noch auf dem Scheiterhaufen sich mit fol-genden Worten zu Wilhelm von Nogaret, Ei-nem der Haupt-Urheber des Unglücks, welches den Or-den traf, gewandt haben: „Du hast durch Deine Un-wahrheiten und Ungerechtigkeiten zur Zerstörung desOrdens beigetragen; wir können uns nicht an denKö-nig wenden, weil er sich mit dem Pabste gegen unsverbunden hat; aber ich fordere Dich auf, binnen achtTagen vor dem wahren Richter, der über alle Andereerhaben ist, zu erscheinen, und von Deinen WerkenRechnung abzulegen." Und merkwürdig genug, No-garet starb plötzlich bald darauf, und so auch derPabst und der König, Ersterer im April und Letztererim November des oben gedachten Jahres. Fernerverursachten auch die drückenden Auflagen unter seinerRegierung eine Unzufriedenheit des Volks, wozu auchdie Verschlechterung des cursirenden Geldes kam, dasdie Noth im Allgemeinen noch erhöhele. Unter derStaatsverwaltung seines Sohneö und NachfolgersLudwig des Zehnten, wurden die unter Philippdem Zweiten, bekannt unter demNamenPhilippAugust, vertriebenen Juden wieder in das Land ge-rufen; aber nicht wegen -er Industrie derselben,