Staatsverwaltung. 89
Regent die Engländer aus seinem Lande vertriebenhakte, behielt er eine stehende Armee von sechzehntau-send Mann Infanterie und neuntausend Mann Ka-vallerie in Sold, womit er die unruhigen Vasallen,die sich besonders an seinen Sohn, den DauphinLudwig, anschlössen, zur Ruhe brachte. Hierdurchwurden aber auch die Auflagen vermehrt und willkühr.lich erhoben, wie späterhin die Anzahl der Soldaten,welche anfangs in die verschiedenen Städte des Kö-nigreichs, unter dem Vorwande, die Grenzen desReichs zu decken, vertheilt wurden, die aber nur dazudienten, die Vasallen und aufrührischen Unterthanenim Zaume zu halten und zu unterdrücken. Auch hatdie Staatsverwaltung unter diesem Regenten nochdas Hervorstechende, daß sich Gewerbe und Handel,Wissenschaften und Künste erhoben; Erstere besondersdurch die Unterstützung des Kaufmannes JakobCoeur, der den Staat in dieser Beziehung mit be-deutenden Summen unterstützte; allein dafür nichtbelohnt, sondern mit dem schwärzesten Undank allerseiner Güter beraubt und in die Verbannung geschicktwurde. — Die Staatsverwaltung Ludwigs desEilften, seines Sohnes und Nachfolgers, eines derstaatökundigsten Fürsten seiner Zeit, wie er von allenSchriftstellern einmüthig geschildert wird, ist sehrmerkwürdig; denn er war eS, der die Souverainitätder Könige in Frankreich befestigte, welche bis zurRevolution gedauert hat, also von der zweiten Hälftedes fünfzehnten Jahrhunderts bis beinahe zu Endedes achtzehnten. Ein Schriftsteller entwirft von die-sem Monarchen folgendes Bild: „Er war zum Ty-rannen gebildet, der staatsklugste Fürst seiner Zeit,aber hinterlistig, ohne Gefühl und Empfindung fürEhre, gleichgültig gegen sein gegebenes Work, meinei-dig, selbst bei großen Gewissensbissen, die er nicht zuunterdrücken vermochte, und scheinbarer Frömmigkeit;