Staatsverwaltung. 93
q uier, verschiedene Einrichtungen, die den Wissen,schaftern im Parlamente über die Barone den Vorzuggaben, und diese immer mehr daraus verdrängten.Auch gestattete er nicht, daß sich das Parlament inStaatshändel mischte, welches auch daraus hervorgeht,baß er die Streitigkeiten mit seiner Gemahlin Jo-hanna, einer Tochter Ludwigs des Eilften,nicht vor das Parlament brachte, sondern sie durch denPabst Alexander den Sechsten entscheiden ließ,indem er sich nämlich von ihr trennte, und sich mitder verwittweten Königin Anna vermählte, die erschon als Herzog von Orlean, ehe sie GemahlinKarls des Achten wurde, innig geliebt hatte. Erwar eö, der, wie schon oben angeführt worden, dasKäuflichmachen der Finanzämter und anderer Stellenerblich machte, um sich die nöthigen Geldmittel zudem Kriegszuge nach Italien zu verschaffen. Beson-ders wurde dieser Regent, sowohl in seinen KriegS-Unternehmungen, als auch in seiner Staatsverwal-tung, von seinem Premier-Minister, dem Kardinal vonAmboisc, unterstützt, der auch die Gunst seinesHerren bis zu seinem, des Kardinals, im Jahre 1510erfolgten Tode genoß. Dieser Minister schaffte meh-rere Mißbräuche ab, die sich in die Verwaltung derGerechtigkeit eingeschlichen hatten; er suchte die Steu-ern zu vermindern, indem er andere Mittel fand, wiez. B. die Käuflichkeit der Stellen, um die Kostender zu seiner Zeit unternommenen Kriege LudwigsdeöZwölftenzu decken; er suchte ferner die Kriegö-zucht wieder in ihrer Kraft herzustellen, durch die Ord-nung, die er in der Armee einführte, und Lurch dieSorge, die er trug, auch den Soldaten in Zucht zuerhalten: auch hielt er die Kirchenzucht zur Zufrieden-heit seiner Untergebenen und seiner Heerde aufrecht.Ludwig betrauerte ihn aufrichtig als eine gesunkeneHauptstütze des Staates unter seiner Regierung.