Band 
Hundert sechs und sechzigster Theil, welcher d. Art. Staatsverwaltung bis Staatswirthschaft enth.
Seite
104
JPEG-Download
 

104 Staatsverwaltung.

Vincennes, nachdem er noch die wichtige Lehre demKönig gegeben haben soll: den Staat nur allein zuregieren und sich keinem Günstlinge anzuvertrauen.Die gleichzeitigen Schriftsteller sind über die Staats-verwaltung Mazarins nicht einig. Einige hebensie als vorzüglich umfassend und für Frankreich heil-bringend heraus; Andere halten sie mehr für einBlendwerk, um, wie Richelieu, seinen eigenenRuhm zu erhöhen, unbekümmert, um das Wohl derNation, die unter der Last der Abgaben seufzte; dennum feine Verwaltung angenehm zu machen und ihrAnsehen zu geben, mußte er sich gegen viele Beamte rc.freigebig erzeigen, und dieses konnte nicht anders ge-schehen, als durch die Erschöpfung der Finanzen unddurch neue drückende Auflagen, wodurch er um somehr, als ein Fremder, den Haß des gegen ihn aufge-reizten Volks vergrößern mußte; dann lassen selbstdie Mittel, die Mazarin anwendete, um den Hofund die Großen zu beschäftigen, wie z. B. die Ein-führung des Hocspiels rc. merken, daß eö ihm, wieseinem Vorgänger, nur um die Selbstregierung desStaats zu thun war, und Niemand zu tiefe Blickein seine Verwaltung thun sollte; darin kommen aberalle Schriftsteller überein, daß er die Rechte und denVortheil des Monarchen, wo es nur anging, wohrge-nommen, und für den Ruhm der Französischen Waffenund dieVergrößcrung Frankreichs bei Friedensschlüssengesorgt habe. Daß er übrigens allen gegen ihn und denHof geführten Meutereien zu begegnen wußte, und zu-leßt über alle siegte, ist ein Beweis seiner großen Umsichtund Klugheit; denn nicht nur standen die Prinzen desHauses, welche den König, als ein Kind, gar nicht be-achteten, und eben so wenig seine Mutter, als eineFremde, und das Volk gegen ihn, sondern auch meh-rere Großen und bedeutende Frauen, wie z. B. dieFrau von Longueville, Schwester des Prinzen