Staatsverwaltung. 1V7
geht daraus hervor, daß er sogenannte Reunionskam-mern zu Metz, Besannen, Breisach und Dorntet er-richtete, welche sich mit nichts anberm beschäftigenmußten, als die Ansprüche, welche Frankreich durchseine neuen Eroberungen etwa noch zu machen habe,auSzumitteln. Durch Colbert'S weise StaatSver.waltung gedieh auch das Reich im Innern zum neuenFlore; denn nicht nur wurde das Einkommen vermehrtund die Schulden vermindert, sondern auch dem Volkedie rückständigen Steuern von 1647 — 1657 erlas-sen, Kanäle und Landstraßen angelegt und verbessert,der Handel und die Gewerbe erhöhet, Künste undWissenschaften befördert, und Paris durch schöne Bau-werke verschönert. So stiftete Ludwig der Vier-zehnte auf ColbertS Rath die Akademie der Wis-senschaften und der Künste, ließ er das prachtvolleObservatorium zu Paris erbauen, belohnte er Künsilerund Gelehrte durch Gnadengehalte und durch Extra-Geschenke, die er ihnen machte. So erhielt z. B.Lafontaine bei der Aufwartung, die er dem Königein Versailles machte, ein Geschenk von 100, und Ra-eine, der bekannte dramatische Dichter/, von 4000Louisd'or. Nach ColbertS Tode, 1685, wurde dieVerwaltung im Innern wieder vernachlässiget, unddem Staate durch die Aufhebung des Edikts von Nan-tes, 1685, tiefe Wunden in Hinsicht der Industrie ge-schlagen, indem über 50,000 protestantische Familien,größtenrheils Fabrikanten, Manufakturisten und Gart-ner, dann Kaufleute, Krieger, Beamte, Edelleuten.,den Staat verließen und nach England, Holland undDeutschland auswanderten, wodurch diesen Ländernein großer Gewinn gebracht wurde. Hierzu kam nunnoch, daß junge unerfahrene Minister an das StaatS-ruder gelangten, die den schon gesunkenen Handel unddie Gewecbthätigkeit durch die erwähnte Auswande-rung der Protestanten völlig lähmten. Die Abgaben