Staatsverwaltung. 237
ger Strom alle Geleise überschwemmt; vertraut er sichWenigen; erschwert er der edlen, schüchternen Wahrheitden Weg zum Throne; schreitet er kalt und stolz ein-her, und verachtet er Wissenschaften und Genie; ver-geudet er den Schweiß deö Volkes; duldet er die Elen-den, die um seinen Thron gelagert, durch den Posau-nenton der Schmeichelei die Klagen seines Volksunterdrücken; fällt der Fürst in die weichen Arme derWollust und der Trägheit; von seinen Weibern undLieblingen selbst wird er dann vom Throne gestoßen;ein kühner Mann ergreift das Staatsruder! Ri ch e-lieu ist König, der König Sklave. Auf das Blutge-rüst schleppt der Gewaltige den Freund der Wahrheit,deö Volkes und deö Königs*)." — Der HallischeKanzler von Ludewig giebt im Jahre 1719 in sei-nen Erläuterungen der güldenen Bulle, Bd. 2, S.1443, ein Gemälde von der damaligen Erziehung jun-ger Fürsten an protestantischen Höfen, indem er zugleichdarin widerräth, einen jungen Fürsten die Universitätzur Vollendung seiner Studien besuchen zu lassen,oder ihn vielmehr auf der Hochschule zu seinem künfti-gen Berufe auszubilden. Er sagt unter andern:
Heut' zu Tage sind die Universitäten einem Fürstenzur Erziehung zu widcrrathen, weil die meisten unterdem Deckmantel der Studentenfrciheit im Argen lie-gen, und von Vielen deshalb eine Rüstkammer desbösen Geistes genannt werden, an denen die FürstlicheJugend leicht ein Aergerniß nehmen kann; und danngerathen auch viele Studenten in die Raserei, als wennauf Universitätrn gar kein Unterschied der Würde unddes Standes zu dulden sey, mithin solche in ihrerschlechten Aufführung öfters den Respect und die Ehr-furcht vergessen, welche man dergleichen Prinzen schul-dig ist. Dann sind auch die Professoren selbst öftersmehr im Wissen, als Leben geübt, und von so unge-
*) „Ludwig der Dreizehnte, der Gerechte und de Tbou,von dessen Unschuld der König überzeugt war, und dessen TodeSur-theil er unterzeichnete."