Band 
Hundert sechs und sechzigster Theil, welcher d. Art. Staatsverwaltung bis Staatswirthschaft enth.
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Staatsverwaltung. 239

durch Zeit und Gemüth verderbt und zerrüttet. Ge-meiniglich wird auch die Wahl eines Hofmeisters übelgetroffen, weil solchen bald der Hofprediger, bald dieKammerfrau, bald dieser, bald jener vorschlaget«, welchedann mehr aus ihre Verwandten oder auf ihren Eigen-nutz, als auf das Beste des Prinzen zu sehen pflegendOefters nehmen auch die vornehmsten Minister denjeni-gen am liebsten zum Hofmeister an, der es an Unart,Unverstand, Einfalt und Dummheit Andern zuvorthut, weil nämlich die Ersteren glauben, daß es ihnenam zuträglichsten sey, wenn der Prinz nichts lerne,und sich folglich nach den Beamten durchaus richtenund Ja sagen müsse; und geschieht es durch ein Wun-derwerk, daß man einen guten Hofmeister antrifft, soarbeitet Alles daran, daß dessen Kredit geschwächtwerde. Da geben Lakaien, Pagen, Kammerdiener undKammerjunker auf dessen Tritte und Schritte, Mienenund Geberden Achtung. Bald kann der Kerl keinerechte Reverenz machen, bald stolpert er einmal, baldsitzt ihm das Haar oder die Krause nicht recht, baldhat er einen Flecken im Rocke, bald ist er nicht nettgenug, bald hält er sich im weißen Zeug nicht recht,bald fehlt dieses, bald jenes. Dann geht das Verirenund Scherze» an. Schweigt er zu Allein, so heißt erein einfältiger Tropf; laßt er sich mit Einem ein, sofallen die Ändern über ihn her, und viele Hunde sinddes Hasen Tod. Geht es das eine Mal nicht, soversucht man es das andere und mehrere Male, undruhet nicht eher, bis der Hofmeister zum Gespött undGelächter gemacht, und bei dem Prinzen in Verach-tung, Mißgunst, Haß und Schimpf gesetzt wird, wodenn aller Unterricht zu Wasser wird, und die Unter-richtsstunden verloren gehen. Redet er einmal demPrinzen scharf zu, so wird ein Gelächter; man machtder Herrschaft dann eine gehässige Vorstellung: derMensch mache dem Prinzen die Wissenschaft leid; erhabe keine Couduite, der Prinz werde in Chagrin ge-setzt; der Mensch sey ein gelehrter Tölpel, und meine,er habe seines Gleichen vor sich; man müsse auf eineAenderung bedacht seyn, oder man quält den arme»Mann so lange, daß er selbst Gott dankt, wenn erdavon kommen kann. Und wer will alles dieses zur