S3S Staatsverwaltung.
Sich noch nie die Mühe genommen, sie in recht reifeUebcrlegung zu ziehen; mich dünkt, daß es Ihnen zurLast ist, wenn man auch nur davon spricht, und Sieglauben, man behandle personelle Dinge, da es dochwahrlich Hauptsachen, ja nur Ihre Sachen sind. —Ich habe selbst diesen letzten Vonvurf ein paar Malhören müssen, und mein aufrichtiges Bekenntniß darü-ber gethan; ich habe deutlich die Abnahme des Ver-trauens gegen mich wahrgenommen; es hat mir herz-lich wehe gethan, ich habe mich aber damit getröstet,daß ich eine freie Brust habe, und die Wahrheit docham Ende siegt. Ich berge es nicht, daß ich mir selbstmit persönlichen Fehlern und Unlauterkeite» mancherPersonen mehr in meinem Gemüthe zu thun gemachthabe, als es für meine Ruhe nöthig war; ich habe auchmanche Fehler scharfer gerügt, als eine Art von Klug-heit erlaubt; ich hielt es aber für Schuldigkeit einesehrlichen Mannes, zu reden, weil ich wußte, daß essonst Niemand that. Ich bin letzthin mit einem Ab-scheu gegen eine gewisse Person, die ich für redlicherhielt, als ich sie jetzt nicht mehr halte, noch Gewissenshalber halten kann, von hier weggereist. Gott hatmir die Gnade gethan, mich um Vieles zu beruhigen,und von der Person weg und bloß auf die Sacheselbst zu sehen. Hingegen kann ich mir die Genug-thuung nicht versagen, Ew Dnrchlanchr freimüthig zubekennen, daß mir von diesem Augenblicke an Ihreeigene Person desto stärker und dringender auf meinGemüth gefallen, und daß ich nun mehr die Schuldbet Ihnen selbst, als bei Andern suchen muß. — Gotthat Ihnen, gnädigster Herr, in jungen Jahren eineschwere Last und Verantwortung aufgelegt. Er mußauch allein Ihr vornehmster und geheimster Rath,Ihre Weisheit, Kraft und Stärke seyn; vor ihm wirddereinst die Entschuldigung nicht gelten: Ich habe esnicht verstanden; denn er giebt Verstand, und willdarum gebeten seyn. Es ist unmöglich, daß Ew.Dnrchlanchr manche Dinge nicht ganz anders und gründ-lich eingesehen haben sollte», wenn Sie Gott um seineErleuchtung ernstlich angerufen hätten. Wenden wiruns nicht zuerst und vornehmlich an ihn, setzen wirunser Vertrauen nur auf den Kaiser, auf den König