314 Staatsverwaltung.
Männer gab, die einen Rathscitel mit Tausenden er-kauften, und andere, die gern Tausende dafür gegebenhalten, wenn sie nur so glücklich gewesen wären, ihnzu erhalten. Hier nur ein Beispiel von einem Staats-manne, den nicht der Titel, wohl aber die Gehaltszu-lage befriedigte, womit er seinen Hausstand verbessernkonnte. Als König Friedrich Wilhelm derErste seinen Sohn, den Kronprinzen, während seinerGefangenschaft in Küstrin zum ersten Male besuchte,und hier zwischen dem Vater und Sohne eine Aus-söhnung Start fand, indem Letzterer dem Ersteren ei-nen willigen Gehorsam versprochen hatte und in dievorgeschlagene Vermählung willigte; so wollte derKönig auch dem Kammerdirektor Hille seine Zufrie-denheit für den ertheilten Unterricht an den Kronprin-zen dadurch bezeigen, daß er ihn zum Geheimen Rathmachte, welches damals nur ein bloßer Titel war,welcher dem damit Bekleideten einen Vorrang vor an-dern Räthen gab. Er sagte daher: „Mein lieberKammerdirektor! Er hat sehr viel Mühe mit me.inemErahne gehabt. Es ist billig, daß ich Ihn dafür be-lohne, und ich mache Ihn hiermit zu meinem Gehei-men Rath." Dem Kammerdirektor war aber damitgar nicht gedient, und er machte daher nur eine leichteVerbeugung ohne weiter etwas daraus zu erwiedern,oder mit Worten zu danken. Der Monarch wieder-holte nochmals:,, Hört Er nicht? ich mache Ihn zumGeheimen Rath. Ist Er nicht damit zufrieden?"Der Kronprinz, der die Gesinnungen des Kammer-direktorS kannte, welcher überdies eine zahlreiche Fa-milie zu ernähren hatte, fand für gut, sich ins Mittelzu schlagen und für ihn das Wort zu nehmen. Erantwortete also dem Könige: Der Kammerdirektorsey ein Philosoph und frage nichts nach leeren Titeln.„Nun, erwiederte der König, ich gebe Ihm dabei jähr-lich 500 Rthlr. Zulage; und da mein Sohn sich von