S 28 Staatsverwaltung.
sich damit verträgt. Kaiser Joseph der Zweitehatte die Nachtheile erfahren, die ein rasches rücksichts-loses Verbessern bewirkt; denn die Neuerungen, dieer in seinen Staaten vornahm, geschahen zu früh undzu rasch, und daher waren sie auch von keiner Dauer,ja sie gaben zu vielen Unordnungen und StreitigkeitenVeranlassung, so daß dieser Monarch noch auf demTodtenbelte seine sämmtlichen mißfälligen Verordnun-gen zurücknahm; und dennoch waren seine Verbesse-rungen in der Staatsverwaltung von wohlthätigerWirkung auf das Ganze, nur sie waren fremden Bä-den entsprossen, und nicht in dem Geiste seines Vol-kes, oder vielmehr seiner Völker, welche im Ganzennoch nicht reif dazu waren, und seine guten Absichtenverkannten; auch war es nicht möglich, ein Band umso verschiedenartige Völker zu schlingen. Eben soging es dem Minister Türgot in Frankreich unterLudwig dem Sechzehnten. Auch er ging zurasch, ohne Rücksicht auf herrschende Vorurtheile undfestgewurzelte Gewohnheiten zu nehmen, vorwärts,und daher mußte er fallen. Auch er wollte die Staate-Verwaltung verbessern, ehe die Nation solcher Verbes-serungen fähig war, ehe sie dafür Empfänglichkeit be-saß, und weil er ein Licht verdunkelte, welches größerseyn wollte, als es ist, weil er gegen Maurepasnicht biegsam genug war oder seyn konnte. AuchNecker fiel, obgleich er die Liebe des Volkes besaß,und noch wüthiger als Türgot den Eigennutz derGroßen angriff und besiegte. Er wußte den Geist derSysteme mit Klugheit zu verbergen, um darauf seineVerbesserungen zu gründen. Ein Schriftsteller sagt:„Necker stürzten wahrscheinlich die zu früh von ihmselbst entdeckten Entwürfe; vielleicht aber auch die Art,wie er der Welt diese Entwürfe und die Wege ent-deckte, womit er seine großen Thaten ausgeführt hatte;vielleicht auch der Glanz, womit er Alles um sich her