Staatsverwaltung. 393
Maaße, daß auch die angestrengste Arbeit darunter er-liegt, wenn man ihnen die erforderliche Aufmerksamkeitertheilen will. Endlich ist besonders die Ausdehnungeines weitläuftigen Reichs zu groß für die Umfaffungs-kraft eines Mannes, sey er auch der Thätigste, Ein-sichtsvollcste, sey seine Gesundheit und Kraft die stärkste.Es ist unmöglich, daß ein König alle einzelne Theileseiner Monarchie übersehen, die Bedürfnisse entfernterProvinzen fühlen, die Mittel, ihnen abzuhelfen, auffin-den, den Werth und die Rechtmäßigkeit der Bitten sei-ner Unterthanen gehörig schätzen, und auf die Ausfüh-rung hülfeleistender Verordnungen Aufsicht haben kann.Sie sind der genauern Verwaltung seiner Stellvertre-ter überlassen, und nur alsdann glücklich, wenn derweise und wohlwollende Fürst auch weise und wohl-wollende Diener findet, und nie durch Vorstellung,Ueberraschung, Hofkabale oder Konvenienz in der Wahlderselben irre geleitet wird. Ist dieses aber der un-glückliche Fall, so erfährt der sorgfältigste Regent ihreUnfähigkeit oder ihre Verbrechen erst langsam, die Ent-fernung verhindert die Bemerkung derselben, erschwertdie Klagen, und verspätet die Untersuchung oft so lange,daß der Schaden unheilbar wird. Hingegen erlaubtder Umgang der mittlern Staaten dem Regenten ganzder Vater seiner Unterthanen zu seyn. Ihm rauben dieStaatskünste der auswärtigen Höfe weder die Ruhe,noch die Zeit, welche die Verwaltung der innern Ange-legenheiten fordert; ihn nöthiget nicht die Uebermachteines unruhigen und ländersüchtigen Nachbaren, denReichthum des Landes den inneren Verbesserungendesselben zu entziehen, und ihn auf Zurüstung deSKriegeS zu verwenden. Er kann selbst die Bedürfnisseseiner Unterthanen untersuchen, die zweckmäßigsten Mit-tel anwenden, ihnen abzuhelfen, schädlichen Unordnun-gen schneller wehren, die widrigen Folgen eines irrendenund eigennützigen Natbs bald entdecken und verbessern,der Natur an jedem Orte eine hülfreiche Hand bieten,wo sie ihre Gaben vorzüglich ausgespendet hat, oder ihrnachhelfen, wo sie weniger milde war, durch BelohnungdeS Fleißigen und Einsichtsvollen ein Beispiel zurNachahmung aufstellen, und die Reichthümer, die der