Band 
Hundert und fünf und achtzigster Theil, welcher die Artikel Tiegelzusammensetzung bis Tonprüfung enthält.
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Tinte. 87

nitn. Unter den verschiedenen Tintenbereitungen aus deralten Zeit, will man die aus Ofenruß bereitete Tinteam meisten in den alten Handschriften vergrlbt finden,so daß sich ihre schwarze Farbe in eine gelbe umgewan-delt hat, welches man auch bei dem Ruße in der An-wendung als Farbe findet, daß diese mit der Zeit einBraungelb erhält. Da man aber auch bei den Schrif-ten, die mit den jetzigen chemisch zubereiteten Tin-ten geschrieben worden, große Verschiedenheiten in derSchwärze findet, Liese bald dunkler, bald blässer, baldbraun, bald gclblichschwarz vorfindet, so läßt sich auchaus den Farbcnschattirungcn nicht immer auf etwa-Sicheres schließen, weil unter den Dokumenten der er-sten vierzehn Jahrhunderte fast kein Einziges ist, welchesnicht Tinten von allen Stufen der Güte, von derschwärzesten bis zur blässesten, enthalten sollte. Auchkann die Tinte in einem und demselben Diplome mehroder weniger verschießen, je nachdem das Pergamentbesser oder schlechter bearbeitet ist, oder es auch an einemganz trocknen oder feuchten Orte aufbewahrt worden;denn auch die Aufbewahrung eines Dokuments trägtsehr viel zur Erhaltung oder Vernichtung der Tinte bei.— Die Alten schrieben nicht bloß mit schwarzer, son-dern auch mit rother Tinte von verschiedenem Wer-the in der Farbe, sowohl in der Höhe, in derLebhaftig-keit, als auch in der Blässe, der lichten Farbentinte,welches auf das Pigment ankam, woraus sie die Tintebereiteten; denn sie brauchten hierzu rothe Erde oderRöthcl (Rothstein) Mennige. Zinnober, Scharlachkör-ner, oder das Roth aus der Purpurmuschel. Die Ver-fertigung der Purpurtiutc geschah mit besonderer Feier-lichkeit, weil sie den höchsten Werth hatte, und sich der-selben zum Schreiben nur die Kaiser bedienten. Manbereitete sie aus dem Safte von mehreren Schnecken,besonders aus dem Geschlechte Murex oder der Sta-chelschnecken, hier werden: der blättrige Murex