Band 
Hundert und fünf und achtzigster Theil, welcher die Artikel Tiegelzusammensetzung bis Tonprüfung enthält.
Seite
377
JPEG-Download
 

377

Tochter.

dienen, dagegen manches kokette, sich keck hervordrän.gende Mädchen siegt, sich ein Männerherz erobert, dasalle die Tugenden weit hinter sich läßt, die jene besitzen.Auch sind oft die Eltern verschlossen und wenig zugäng-lich; sie flößen nicht das Vertrauen zu sich dem viel-leicht harrenden Bewerber um die Hand ihrer Tochterein, und so zerschlagen sich Parthien, die hätten geknüpftwerden können, wenn sowohl das Mädchen als auch dieEltern, die Gabe der Anziehung besessen hätten. Dadie Töchter auf Kosten des Vaters ausgestattet werdenmüssen, so sind sie da, wo viele in einemHause sind, eineLast, die auf dieVcrmögensumstände des Vaters drückt,indem er sie, nach seinem Stande, oder seinem Standegemäß, doch anständig ausstatten muß. Ganz andersist es bei den Morgenländern, wo der Bräutigam dieBraut ausstattet; denn hier wird derjenige Vater fürreich und glücklich geachtet, der viele Töchter hat, wel-ches bei den Abendländern, den Europäern, umgekehrtist, indem man hier den Vater bedauert, der viele Töch-ter hat, nnd dazu kein hinlängliches Vermögen, keinenhinlänglichen Erwerbzweig besitzt, um ihnen dadurch dieErwerbung eines Gatten zu erleichtern, sie unter dieHaube zu bringen.

Hier noch einige Worte über die glückliche Versor-gung erwachsener Tochter, aus dem neuen Hanno-verischen Magazine, Jahrgang 7, St. 46. S.730.

Es ist ein sehr großer und beruhigender Gedanke fürEltern, ihre erwachsenen Töchter anständig und glücklichversorgt zu sehen, das heißt, nach dem gewöhnlichen Sprach-gebrauche, verheiratbct zu wissen, weil bei weitem dergrößte Theil des weiblichen Geschlechts durch einen Gat.len seine Versorgung findet. Sollte es aber wohl fürdas Ganze, wie für die einzelnen Glieder der Gesellschaftzuträglich seyn, wenn Eltern zu ängstlich für die Verbei-rathung ihrer erwachsenen Töchter sorgen? Gewiß ebenso wenig, als jede Sorge um Etwas in der Welt, die