Band 
Hundert und zwei und neunzigster Theil, welcher die Artikel Typus bis Übersiedelung enthält.
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Überredungskunst.

ralische Schlechte, welches durchblickt, wird immer demZuhörer einen Argwohn einflößen, der seine Em-pfänglichkeit vermindert." — An einer andern Stelleseines Werkes sagt dieser Schriftsteller: „Selbst derBetrug, welcher so häufig von Volksrednern getrie-ben worden, beweiset, daß dieMenschen nur durch sitt-liche Ideen gelenkt werden können; denn wodurch ge-lang es ihnen? Wahrlich nicht dadurch, daß sie sichunmittelbar an Habsucht und an Rache gewendet, unddiese Leidenschaften zu entflammen gesucht haben; denndadurch hat noch Niemand eine große Masse fortrei-ßen können. Die Kunst der Volksverführer hat viel-mehr von jeher darin bestanden, dem, was ihre be-sonderen Leidenschaften begehrten, den Schein zu ge-ben, als sey es eine Forderung allgemeiner sittlicherIdeen. So haben die Demagogen in der Französi-schen Revolution nur dadurch so große Wirkungenhervorgebracht, daß sie ihre eigennützigen Absichtenunter Recht, Staatöwohl, das heißt, unter sittlichenIdeen'verbargen, und sie mußten siegen" — Aberauch unterliegen, als das Volk zur Vernunft zurück-kehrte, als sich die Aufwallung von Freiheit undGleichheit gelegt hatte, und es klar einsah, daß es be-trogen worden, indem es bei der Freiheit und Gleich-heit sich des Hungers nicht erwehren konnte. — Sosuchte Robespierre durch die Macht der Ueberre-dung seine tyrannischen Handlungen in den Augendes Volkes von Seiten der Tugend darzustellen. Ersagt in einer Rede, die er kurz vor seinem Sturze imJakobiner-Clubb hielt: „Die Freiheit ist verlöre«,und mit ihr jeder Bürger, der nur seinen Muth undseine Tugend für sich hat. Von allen Seiten sehe ichmich verläumdet, meine unschuldigsten Handlungenwerden für Tyranneyen ausgerufen. Meine Verthei-digung liegt in meinem Gewissen; ich bedarf der Lo-beserhebungen eben so wenig, als der Anhänger.