überschwemmen und Überschwemmung. 557
um die hartnäckige Stromenge herum zu kommen.Da es nun hier einerlei ist, was für ein Mittel sichanbietet, so versuche man zweitens, wie hoch dasFahrwasser zum Behufe der Schifffahrt bleiben müsse.Bis auf diese Horizontallinie erweitere man dieStromenge nicht, und wenn ein Kanal neben derStromenge ausgegraben werden müßte, so vertiefeman ihn nicht unter der Höhe des Fahrwassers. Jawäre zu befürchten, daß dieser Kanal sich selbst tieferbetten möchte, so setze man lieber einen Ueberfall vordie Mündung, damit solches nicht geschehen könne.Von diesem Wasserstande des Fahrwassers an, er-weitere man die Strvmengen oder den neu anzule-genden Kanal, so weit es sich immer thun lassen will,so hat man den Strom in eine sehr vortheilhaste Lagegebracht. Ist er ruhig und ordentlich, so fließt er ineinem engeren Kanale und bleibt fahrbar; will eraber aufschwellen, so findet er einen so geräumigenAbfluß, der ihn bald von seinem Ueberflusse entledi-get und wieder in seine Ufer zurückführt. Diese Auf-lösung beruht auf eben derselben Regel, nach welcherman sich bei Abschneidung großer Stromarme zurichten hat, wenn man, ohne Freiarchen anzulegen,Überschwemmungen verhüten will. Der eben ge-thane Vorschlag hat noch das Vorzügliche an sich, daßdurch den Anlauf der wilden Fluth die Geschwindig-keit des Wassers in der ungeänderten tiefern Strom-enge bis auf den Grund beschleuniget, und also durchdiese größere Schnelligkeit zugleich in der Tiefe dieConsumtion vermehrt wird. Bei kleinern Flüssenläßt sich dieser Vorschlag ebenfalls anbringen, wennnichts für die Mühlen und Wasserräder zu befürchtenist, die auch dann lahm liegen müßten, wenn die Wie-sen das Wasser vertragen könnten; weil aber wohl an-gelegte Freiarchen nicht nur dasselbe leisten, sondernnoch Gelegenheit geben, den Strom unter unsere völ-