Band 
Hundert und zwei und neunzigster Theil, welcher die Artikel Typus bis Übersiedelung enthält.
Seite
572
JPEG-Download
 

572 Ueberschwemmen und Ueberschwemmung.

nung auf die Erndte vernichtet, die vorzugsweise indiesem Jahre reich und gesegnet zu werden ver-sprach. An dreihundert Familien hatten ihre Feld-früchte vollständig, ihre übrige Habe zum Theil ver-loren, und konnten ihr Leben nur mit Mühe undauf den zu ihrer Rettung herbeigeschafften großenPrahmen auf die Deiche hinbringen, und als auchdiese keine Sicherheit mehr darboten, gelang es, dieso weit schon Geretteten noch auf die Höhen zu brin-gen. Die Stadt Schwetz konnte nur von einergänzlichen Ueberschwemmung dadurch gerettet wer-den, daß man die Dämme so viel, als möglich, zuerhalten suchte, welches durch die mehrere Tage undNächte fortgesetzten Anstrengungen der gesammtenmännlichen Bevölkerung geschah, so daß kein förm-licher Dcichbruch eintrete» konnte. Was die Niederung unterhalb Schwetz, nämlich die vierzehnOrtschaften von Sortowitz bis zur Stadt Neuen-burg betrifft, so haben auch hier dieselben schreckli-chen Ereignisse Statt gefunden. Der drei Meilenausgedehnte Deich war an sehr vielen Stellen demDurchbrüche nahe, der auch erfolgt wäre, wennnicht der Kommandant von Graudenz, die Arbeitender Bewohner dadurch unterstützt hätte, daß er schnellhundert und fünfzig Mann Soldaten hinübersetzenließ, um ihnen zu helfen. Der Deichbruch ist nunhierdurch zwar verhütet worden, allein durch denRückstau des Stromes und durch die Quellungenin den aufgeweichten und unterwühlten Dämmendrangen auch die Fluthen in diese 3500 See-len zählende Niederung vernichtend ein, und raub-ten dem Landmanne seine Feldfrüchte. — Dersich in Berlin gebildete Central-Verein zur Unter-stützung der durch Ueberschwemmung verunglücktenGegenden in West- und Ostpreußen machte nachden Untersuchungen, die der Finanzminister Herr v.