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CHRISTINA
Schießt los; sie ist die Tochter eines Soldaten,und muß sich daran gewöhnen. Das Kind war weitdavon entfernt, sich zu fürchten, lachte, schlug mit den Hän-den zusammen, und schien eine Wiederhohlung deS Schusseszu fordern.
Diese Unerschrockenheit gefiel Gustaven so sehr, daß er in derFolge die Revue seiner Truppen in ihrer Gegenwart hielt, und,als er das Vergnügen sahe, welches sie an diesem militärische»Schauspiel nahm, zu ihr sagte: Laß esgutsein, ich willdick einmahl an Orte bringen, wo eS dir nochbesser gefallen soll.
Er starb allzu früh, um ihr Wort zu halten, und Christina,welche ihr ganzes Leben hindurch bedauerte, daß sie nie an derSpitze einer Armee bei einer Schlacht gewesen, bedauerte eSnoch weit mehr, daß sie die Kriegskunst nicht unter einem sol-chen Meister hatte lernen können.
Der Thätigkeit ihres Geistes entging nichts. Sie lernte achtSprachen, und las den T h n c y d i d e s und P o l i b i u s imOriginal, in einem Alter, wo andere Kinder kaum Ueber-setzungen lesen. GrotiuS, DeSc artes und mehrere andereGelehrte wurden an ihren Hof berufen, und bewunderten sie.
Als Christili» majorenn geworden war, regierte sie mitWeisheit, und befestigte in ihrem Reiche den Frieden. Da siesich nicht vermählen wollte, machte» ihr die Staude über diesenGegenstand lebhafte Vorstellunaen; sie sagte eines Tages dazuzu ihnen: „Ich will lieber, daß ihr einen gutenPrinzen zu meinem Nachfolger ernennt, derfähig ist, die Iügel der Regierung zu führen:nöthiget mich daher nicht, mich zu vermählen;ich könnte eben so leicht einen Nero, als einenA u g u st g e b ä r e n. ^
Eine der großen Angelegenheiten, welche Christina auf demThrone beschäftigten, war der Wesipbälische Friede, der imOctober 1648.su Stande kam. Salvius, ihr zweiter Ae-vvllmächtigker beim Congreß und ihr besonderer Canzler, trugviel zu dem Schluß dieser wichtigen Angelegenheit bei. DieKönigin belohnte ihn damit, daß sie ihn zum Range einesSenators erhob; ein Rang, der in Schweden immer nur derGeburt ertheilt wurde, und den sie dem Verdienst ertheilen zu .können glaubte. Wenn eS, sagte sie im Scnar, darauf
ankommt.