Band 
Zweiter Theil. [Cebes - Dyer (John).]
Seite
458
JPEG-Download
 

4)8

DUPIN

tcßcrmtt Im Jabr 1703, nl;idt er seine Znrückberufung durch ei-nen Wideniif, konnte aber seine Stelle als königlicher Professornie wieder erlangen. Clemens XI. dankte Lndewig XIV, fürdiese Strafe, und nannte in dem Breve, welches er an diesenMonarchen ergehen ließ, den Düpin einen Man» von sehrschlimmer Doktrin, der sich mehrerer Ausfülle ge-gen den apostolischcuStuhl schuldig gemacht härte.

Unter dem Regenten, während der Minderjährigkeit Lude«wigs XV. war Düpin nicht glücklicher. Er stand mir dem Erz-bifchcf von Canlerbori in genauer Verbindung und in beständigemBriefwechsel. Man argwohnte hierunter ein Geheimniß, undnahm ihm den 10. Februar 1719 alle seine Papiere weg. „Ich„befand mich/' sagt Lasiteau, Bischof von Sisteron, vonwelchem diese Anecdote» entlehnt find, „zu der Zeit im Palais„Roval, als man sie dahin brachte. Es war darin gesagt, die„Grundsätze unseres Glaubens könnten mit den Grundsätzen der„Anglicamscheu Religion in Uebereinstimmung gebracht werden.„Es hieß ferner darin, man könnte ohne der Echibcii der Dog-„ men Schaden zu thun, die Ohrenbeichte abschaffen, »nd im„Sakrament des Abendmahls nicht mehr von der Tranosubstan-»tiarivn sprechen; man könnte sie Gelübde der Religion, das„Fasten und die Enthaltung in der Fastenzeit aufheben, des„ Papstes entbehren und den Priestern die Ehe erlauben. «

Die Feinde des Düpin geben vor, sein Leben habe mit seinenReligionsqnindsatzen übereingestimmt; er sei verbeirathet gewe-sen, uud seine Wittwe habe sich zum Empfang seiner Werlaffen-schast gemeldet. War dieser berühmte Mann so, wie man ihnuns schildert, so muß der Papst in den Benennungen, die er ibmgab, sehr mäßig erscheinen; aber nichts ist falscher, als allediele ärgerlichen Gerüchte. Das Projekt einer Vereinigung derAnglikanischen mit der Römischen Kirche, war nichts weniger«als ein Geheimniß; eS war eher die Frucht von Düpins friedlie-bendem Geiste, als die Folge seiner Neigung zu Jrrthüniern inden Lehrsätzen seiner Kirche. Der Cardinal de Noa illeö undder General-Prccurator des ParlcmentS zu Paris, Jolv deFlenry, harren es gebilliget. Wir wissen von sicherer Hand,und von Personen, die mit nicht so umnedelren Augen als derBischof von Sisteron die Projecte des Dupiu gelesen hatten, daßins seiner Schrift nichts vorhanden war, was einem vernünftigenund mäßigen Theologen verdächtig vorkommen konnte. Eben