86
EUDOXIA
Photius führt eine Uebersetzung der acht ersten Bücher derheiligen Schrift in herametrischen Versen von ihr mit Lob an.Man schreibet ihr auch ein Werk zu, welches man denCenrv ves Homer nennt, und in der Bibliothek der Kir-chenvater findet. Es enthalt das Leben Jesu Christi, in Versengeschrieben, die aus jenem Vater der Griechischen Dichtkunst ge-nommen sind. Du Cange glaubt, diese Schrift sei alles, wasvon ihr bis auf uns gekommen ist; aber die meisten Critiker be-haupten einstimmig, daß sie weder von ihr, noch ihrer wür-dig sei.
EUDOXIA (Licinia), die Jüngere, 422 zu Cvn»stantinopel geboren. Sie war die Tochter Theodosius H.und der Eudoria, und Gemahlin Valentinianö III.welchen Petronius M a rimus, der Usurpatbr des Reichs,ermorden ließ. Der Mb-der zwang die Gemahlin des ermorde-ten Kaisers, seine Hand anzunehmen, und wagte es, ihr zu be-kennen , daß seine eifersüchtige Liebe die Ursache des Todes ihresGemahls genesen sei.
Eudoria rief in ihrem heftigen Zorne den König der Dan-dalen Genserich zu Hülfe. Dieser Fürst kam an der Spitzeeiner zahlreichen Armee nach Italien, setzte alles in Feuer undBlut, plünderte Rom, und führte Eudoria nach Africa. Nacheiner siebenjährigen Gefangenschaft, wurde sie, im Jahr 462,nach Constantinepel zurück geschickt, und endigte daselbst in Ue-bungen der Frömmigkeit ihr Leben. ( Man sehe den ArtikelEUTYCHES gegen das Ende.)
Ihre Münzen sind sehr selten, und die Tugenden, welche sieüuszeichneten, noch seltener. Sie wachte von ihrer Gewalt nurdarum Gebrauch, um die Unglücklichen, deren es unter ihrerRegierung sebr viele gab, zu trbsien und zu unterstützen. Sieertrug die Laster des Valentinian mit ruhigem Muth, undwar ihm eben so ergeben, als wenn dieser ungetreue und in einschändliches Leben versenkte Gatte ein guter Mensch gewesenwäre.
EUDOXIA, Wittwe des Constant'n DncaS, ließ sichgleich nach dem Tode ihres Gemahls, im Jahr 1067, nebst ih-ren drei Sohne» zur Kaiserin ausrnfen. Romanus Dio-genes, einer der größesten Feldherren des Reichs, hatte ihrdie Krone rauben wollen. Eudoria ließ ihn zum Tode verdam-men. Da sie ihn aber noch vor der Hinrichtung sahe, wurde