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EURIPIDES
drei Tagen hundert Verse gemacht zu haben, indeß EuripideSnur ihrer drei gemacht hatte. „Es ist aber auch zwi-„scheu deinen und meinen Schriften der Unter-„schied, antwortete Euripides, daß die deinigen drei„Tage, und die meinigen Jahrhunderte hindurch„leben werden.«
Von 75 Tragödien, die er schrieb, sind uns nicht mehr als19 fibrig geblieben. Die vorzüglichsten sind: Die Phöni-cierinnen, Orestes, M edea, Andromache, Iphige-nia in Aulis, Iphigenia in Tauris, die Trojane«rinnen, Electra, Hercules, Hippolytus. Diebei-den letzter» Stücke scheinen vor allen andern den Preis erhaltenzu haben.
Euripides drücket die Liebe, und vorzüglich die wüthige, lei-denschaftliche Liebe, wie sie auf der tragischen Bühne erscheinenmuß, vortrefflich aus. Er ist zärtlich, rührend, pathetisch. Erlebte im letzter» Jahrhundert in Racine wieder auf, dervon seinem Geiste erbte, ihm aber mehrere Reitze lieh, und ihnmir mehr Geschmack begleitete. Man müßte sehr blind, oderfür das Alterthum sehr eingenommen sein, wenn man den Grie-chischen Dichter dem Französischen vorziehen wollte. Aber sei»Berdienst ist nicht weniger groß. Die theatralische Kunst ent-stand damahls erst; und Euripides und Sophocles, sounvollkommenste auch waren, reüssierten bei den Arheniemer»nicht weniger, als Corneille und'Racine unter denFranzosen. Ihre Fehler, sagt ein Mann von Geist, kommenaus die Rechnung ihres Jahrhunderts; ihre Schönheiten gehörenniemanden als ihnen selbst zu: und Euripides hat deren zuver-lässig.
Seine Andromache machte auf die Abderiten einen solebhaften Eindruck, daß sie alle eine Art von Rarrheit erhielten,welche die Darstellung dieses Stücks in ihrer Einbildungskraftverursacht hatte.
Obgleich Euripides nicht so erhaben war, als Sophocles, derCorneille der Griechen, so konnt' er doch groß sein, wenn es derStoff erforderte. Die gemeinsten Gedanken, indem sie durch seinePhantasie gingen, erhielten jene glückliche Wendung, wodurch sieerhoben werden. Was die Menschheit am meisten interessiert,ist, daß seine Stücke die schönste Moral athmen. Er hatte steaus der Schule des Socrates geschöpft, und dieser Phi-losoph