FONTAIN*
Naivetät, und der dritte durch seine ländlichen Bilder. DekGeist der Einfalt, Unschuld, Naivetät, der ihm in diese»Schriftstellern so sehr gefiel, characterisierto bald seine Werke, jund characterisierte ihn selbst. Nie hat ein Schriftsteller in sei«tte» Werken sich selbst besser gemahlt. Er war sanft, edel, na-türlich, aufrichtig, leichtgläubig, gefällig, schüchtern, ohneStolz, ohne Galle, und nahm alleS von der guten Scire , und»sagt ein Mann von Geist, war eben so einfach, als die Helde»feiner Fabeln. Er war ein wahres Kind, aber ein -Kind ohne 'Wosheit. Er sprach wenig, und sprach schlecht, wenigstens wenner sich nicht unter vertrauten Freunden befand, oder die Unter» !Haltung nicht Gegenstände betraf, welche sein Genie erwärme» ikonnten. Mit einem solchen Character schien er wenig zur Ehegemacht zu sein; und ließ sich dem ungeachtet verheirathen.Man verheirachete ihn mit Marie Hericard, einer jun» 'gen Person von einer Figur und einem Character, welcher ihrdie Herzen gewann, und von einem Geiste, der sie selbst in denAugen ihres Gatten schätzbar machte. Er schrieb nichts, ohnesie dabei zu Rathe zu Ziehen; aber sein Geschmack zur Hanpt»siadt, und seine Abneigung gegen alles, was nach Zwangschmeckte, rissen ihn von ihr. Die nach Chateau Thicrry »er» ‘ ;rviesene Herzogin von Bouillon hatte La Fontaine kennen gelernt,und ihn, sagt man, selbst zur Verfertigung seiner ersten Erzäh-lungen angetrieben. Als sie nach Paris zurück gerufen wurde,nahm sie den Dichter mit. La Fontaine harte einen seiner Vet-tern bei Fvnrqnet. Das HauS des Sürinrendanten würd' ihmgeöffnet, und er erhielt eine Pension von ihm, gegen welche erihm jedes Vierteljahr eine Quittung in Versen schrieb. Nach-dem sein Wohlthäter in Ungnade gefallen war, dessen Unglückder dankbare Dichter in einer rührenden Elegie beweinte, gingLa Fontaine als Gentilhomme zu der berühmten Henriettevon England, der ersten Gemahlin der Monsieur. AISihm der Tod diese Prinzessiu entriß, fand er im Monsieur, indem Prinzen Conti, den Herzogen von Vendvme und Burgundedelmüchjge Beschützer, und in den Herzoginnen von Bouillon,von Mazarin, und in der ingeniösen La Sabliere, die ihn ihrenFabler nannte, Beschützerinnen; diese letztere nahm ihn zusich, und sorgte für sein Glück.
Man hat es bemerkt, daß Ludewig XIV. nicht seine Wohl-thaten auf La Fontaine, wie auf die andern Genies, die seineRegierung verherrlichten, fallenließ. DiestrFürst hatte nicht
Geschmack