FONTAINE
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Geschmack genug für die Gattung, in welcher dieser vortrefflicheErzähler so stark war: er behandelte die Fabeln des La Fontaineohngefahr wie die Gemählde des TenierS. La Fontaine wardurch seine beständigen Zerstreuungen und seine äußerste Einfaltdie Freude und das Vergnügen seiner Freunde, konnte aber ei«„em Manne, wie Ludewig XIV. nicht gefallen. Uebrigcns wares ihm auch sehr gleichgültig. ob er am Hof' eingeführt würde,oder nicht. Er King wegen der Anuehmlichketten der Gesell-schaft , und wegen seiner Verbindungen mit den schönsten Gei-stern seines Jahrhunderts, an Paris, und reiste dcmungeachtetjährlich im September zu seiner Frau. Bei jeder Reise verkauft'er einen Theil seines Gutes, ohne sich um die Erhaltung dessen,was er noch hatte, zu bekümmern. Er setzte nie einen Mieth»ronrract auf, und erneuerte nie den Pachtcontract wegen einerMeierei. Diese Apathie, welche den alten Philosophen so vieleAnstrengung kostete, hatt' er ohne Anstrengung. Sie äußertesich in seinem ganzen Betragen, und machte ihn selbst bisweilenunempfindlich gegen schlechtes Wetter. Die Herzogin vor»Bouillon ging eines Morgens nach Versailles, und sah' ihn un-ter einem Baume iu Gedanken liegen: als sie Abends zurückkehrte, fand sie ihn noch auf demselben Platze, und in derselbe»Stellung, ungeachtet es sehr kalt war, und den ganzen Tag ge-regnet hatte. Er hatte bisweilen Zerstreuungen, die ihm da§Gedächtniß nahmen, andere wieder, die ihn seiner Urtheilskrastberaubten. Er lobte einmahl eine» jungen Menschen sehr, dener in einer Gesellschaft traf: — »I, es ist ja Ihr Sohn!sagte man ihm; und er antwortete kalt: »Ach, das freut«mich sehr!" -Er hatte eine Erzählung gemacht, wor-
in er nach Anleitung seiner Materie eine sehr indecente Anspie-lung auf die Worte: Domino, guinguo talenta tradidisti mihietc. einem Mönche iu den Mund legte, und vermöge einer Ein-bildungskraft, deren La Fontaine allein fähig war, diese Erzäh-lung dem Doctor Arnanld gewidmet. Racine und Boi-leau mußten es ihm begreiflich machen, wie sehr die Dedi-kation einer licenciöfe» Erzählung an einen würdigen und solchenMann wie Arnanld gegen den gesimden Menschenverstand an-stoße.
Als unser Dichter eines Tages mit Boileau, Mokiereund zweien oder dreien seiner Freunde zu Mittage speiste, be-hauptete er gegen Möllere, daß das, was die Schauspieler aufder Bühne für sich sagen, gegen den gesunden Menschen-
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