i6 Ei ii Blick auf die Kirchenbaukunst
an den wenigen Resten von Carls des GroßenZeit/ z. B. zu Lorsch und Achen, die Nach-ahniung der antiken Form, im niedern Dache, inSäulen und Profilen/ noch sehr auffallend ist: inden zwey folgenden Jahrhunderten traten dagegenschon überall die schweren Pfeiler mit angesetzten Halb-saulen im Innern an die Stelle der Säulen / welchedie Last des schwere» nun üblichen Steingewölbes nichtmehr so ertragen konnten, wie sie die frühere flacheHolzdecke gestutzt hatten. Darin liegt der erste Keimzum wesentlichen Grundsatz der spätern deutschen Bau-kunst : Hohe und Aufschwung aller For-men/ ein Strebe»/ welches sich gegen Ende des 12.und zu Ansang des i5. Jahrhunderts schon deutlichkund gab in den hohen schroffen Dächern / denen nunalles übrige aus dem Wege zu einer ganz neuen Bau-weise nachfolgte.
Der Haibzirkelbogen konnte es jenem hohen Da-che nicht nachrhun: man mußte ihn überhöhe»/ undso entstand vielleicht (nebenbey aus andern unbekann-ten Gründen) der so entscheidende und alles umgestal-tende Spitzbogen. Da nun Dach und Gewölbe er-höht waren, mußten auch die niedrigen Pfeiler das ge-hörige Verhältniß zu jenen bekomme»/ die Abseitengehoben / die Fenster vergrößert/alles in die Höhe ge-zogen werden; doch auch dieß geschah nur stufenweise,denn sowohl im Gewölbe als an Fenstern wendeteman den Halbkreis und den Spitzbogen eine Zeitlangschwankend an, auch vom Gebälke und Gesimse, dasmit der Abschaffung her Säulen seinen Zweck ver-