,8 Ein Blick auf die Kirchenbaukunst
durch die Außenseite ein erhabenes und aufsteigendesAnsehen gewann. Waren vordem die Säulen, welcheSchiff und Abseiten trugen, in bedeutender Dicke indie massiven Pfeiler des Innern eingesetzt, so ent-standen jetzt, um die Schwere der Pfeiler zu ber--gen, ganze Bündel von dünnen, rohrförmigen, schlan-ken Stäben mit Blätterknäufen, die vor allem denwunderbaren Eindruck der Kirchen jener Bauart aufdas Gemüth hervorbringen. Denn die Fantasie wirdnicht müde, diese oben in das Gewölbe in eben soviele Gurten auslaufenden Säulenbündel mit Erschei-nungen der überall schaffenden und lebendigen Naturunbewußt zu vergleichen, mit den Wölbungen eineshohen Baumganges, mit Basaltschichte» , mit dem aufund niedersteigenden Wafferstrahle eines künstlichenSpringbrunnens.
So wuchs nun auch das Äußere der Kirchen zueiner Well von planmäßig geordneten Pflanzen-Kri-stallen, zusammen. „Es gleichen diese Wunderwerkeder Kunst," wie ein tief in den Geist der alten Kunsteindringender Schriftsteller *) sehr schön bemerkt, „ammeisten den Werken und Erzeugnissen der Natur selbst,und so unergründlich reich die Struetur, das Gewe-be und Gewächse eines belebten Wesens dem unter-suchenden Auge ist, eben so unübersehlich ist auch derGestalten - Reichthum eines solchen architektonischenGebildes. Alles ist gestaltet- gebildet und verziert,und immer höhere und mächtigere Formen und Zierden
') Friedrich v. Schlegel.