Band 
II. Jahrgang. I. Band.
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des M i t t e l a l t e rs üb e r h a u ptrc. 27

reihen, meist einen ganzen heiligen Cyklus, odermehrere dergleichen, wovon wir noch zwey der vor-nehmsten Beyspiele an dem uralten Hauptaltare derSt. Markuskirche zu Venedig, und an dem Ver-d ün er- A lra r zu K lo ster n e u bu rg besitzen.Dem Geiste der Kirche treu, pflegte man die Be-gebenheiten des alten Testaments gern den entspre-chenden des neuen, die von jenen vorgebildet wurden,gegenüber zu stellen, so daß also hier auf derjenigenStelle der Kirche, worauf die Augen des ganzen Vol-kes , der Priester, wie der Layen gerichtet waren, diewichtigsten Momente der gesammten heiligen Geschich-te zusammengedrängt wurden, zur Belehrung derUngelehrten und zur Erbauung der Gelehrten undGebildeten. Die Form dieser Altarbilder war schon da-mahls die eines Schrankes, dessen zwey Thüren von in-nen und außen bemahlt oder mit Bildwerken besetzt,nach Belieben geöffnet oder geschloffen wurden.

Diese Einrichtung blieb auch der Hauptsache nachjn der Folge gleich, nur ahmten die Verkleidungender Altäre die Gestalt und den Geist der aufstrebendenund schmuckreichen gothischen Bauart nach, sie erhiel-ten hohe, in wundersamer Verschlingung aus einan-der herauswachsende Thürmchen mit Knospen und Blät-tern, mir Dachlein , unter welchen Heiligenbilder stan-den; unten aber war wieder das aus einer Mittelta-sel und zwey doppelten, auch vier-und sechsfachen Sei-tenflügeln bestehende Altarbild, deren das Mittelstemeist in hocherhabener Schnitzarbeit mit reicher Vergol-dung und farbig bemahlt, die Hauptvorstellung enthielt,