Band 
II. Jahrgang. I. Band.
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des Mittelalters überhaupt rc. 29

genthümlichkeiten entwickelte und in Nebendingen ver-schieden gestaltete. Aber gegen das i 5 . Jahrhundert:nahm diese Kunst eine Wendung, die dem Verfalle jederwahren Kunst voranzugehen pflegt. In dem Strebender Meister nach neuem, nach noch schönerem Schmuck,nach Auffallendem und Künstlichem, womit man dietief durchdachten Vorbilder zu übertreffen suchte, ent-fernte man sich von ihrer hohen Einfalt und dem stren-gen Gebrauch in Vertheilung der Zierden: man häuf-te den Schmuck im Kleinen, verlor aber den Sinnfür das Ganze und die Meisterschaft im Großen, undso fand der aus Italien her mächtig überhand nehmen-de neurömische Sryl den Sturz einer Kunst schon vor-bereitet, die sich selbst überlebt hatte.

Von dieser Zeit an wurde nicht nur die alte Bau-weise verlassen und vergessen, sondern es begann da-mit auch die Zerstörung und Verunstaltung desjeni-gen, was von früheren Zeiten noch übrig, und nichtantik war.

Es ist eine fast allgemeine traurige Erscheinung,daß die ganze alte innere Einrichtung gothischer Kirchender Verschönerungssucht neuerer Zeiten hat weichenmüssen, wodurch die ursprünglichen mit dem ganzenBau einklingenden Altäre, die gothischen Kanzeln,die alten Bilder, die bunten Glasgemählde fast über-all verschwunden sind. Selbst das, was von dem Ge-bäude ohne Schaden nicht zerstört werden konnte/Kreuzgewölbe, Pfeiler, pflegte man häufig mir neuemSrucco voll unbedeutender Zierathen, Engelköpfe,Schnörkeln und Muscheln, zu bedecken, die Pfeiler