io 4 III. D i e Kirche zu St. Michael.
werden. Von Bildwerken ist hier gar nichts mehr zusehen, als ein Paar Thierköpfe und ein menschlichesFigürchen an den Ecken und Giebeln. Dagegen erscheintdas Äußere des i34o entstandenen Chores mit spitzenFensterbogen ganz im Geiste dieses späteren Styles.
Eben so im Innern der Kirche. Die ältere Unrer-kirche klein, düster und schwerfällig, lange nicht soerhaben und zier^ch, wie die um dieselbe Zeit und durchdenselben Fürsten entstandene Kirche zu L i l i e n f e l d ,hat ein sehr hohes mit einem einfachen Kreuzgewölbegedecktes Schiff und zwey sehr niedrigeAbseiten. Dieplumpen Pfeiler zwischen Schiff und Abseiten sind sehrniedrig und gedrückt, mit dicken und schweren blät-terknäufigen Säulen an den Ecken. — Allein außerdiesen zwey Abseiten hat die Kirche — und darin un-terscheidet sie sich von den meisten andern alten Kir-chen Wiens, — noch beyderseits einen Anbau mitKapellen, folglich eigentlich 4 Abseiten. An altenKirchen außer Österreich ist dieß nicht selten, selbstder Kölnerdom zeigt, freylich in viel größerem Sin-ne, diese Anlage. — Daß aber diese (jetzt ganz mo-dernisirten) Seitengänge schon in früherer Zeit dawaren, zeigen die äußeren Mauern deutlich durchihre Spuren ehemahliger Spitzbogen und durch dieGiebelpfeiler. Wahrscheinlich entstanden sie beydem Be-dürfniffe, für die anwachsende Gemeinde mehr Raumzu gewinnen, nach dem ersten oder zweyten Brande(> 276 , i3ig) gleichzeitig mit den Ausbesserungen desBeschädigten und der Anschließung der Johannes-oderNiklaskapelle.