Band 
Erster Band. A bis Comparativ.
Seite
180
JPEG-Download
 

. i8c> Bai

Glaubensbekenntniß heraus gab. Hier war er eine ZeitlangPrivatdocent, kaufte sich endlich ausserhalb der Stadt eine angeneh-me, auf einer Anhöhe liegende und mit einem Weinberge umgebeneWohnung, und gab einen Kaffetier und Gastwirth ab. Wahrendseiner Gastwirthschaft verfertigte er ei» pasquillantisches Lustspiel,das Religionsedikt betitelt, worin er das bekannte Konigl.Preußische Religionsedikt durchzog, und wodurch er sich eine einjäh-rige Gefangenschaft anf der Festung zu Magdeburg zuzog.

Bailly, Jean Sylvain, geboren zu Paris den 15. Sept. 1736,wurde von seinem Vater, der Aufseher der Königlichen Bildergaleriewar, zur Malerkunst bestimmt; aber seine natürlichen Anlagen zogenibn zu den Wissenschaften. Er wurde mit dem berühmten AstronomenAbbe' de Lacaille bekannt, und dieß richtete seinen Geist anfangs aufdie Astronomie, worin er es unter der Leitung dieses trefflichen Leh-rers bald so weit brachte, daß er der Akademie -er Wissenschaften imJahr i?ür Bemerkungen über den Mond überreichen konnte. Erberechnete auch die Bahn deS 175g erschienenen Kometen, und 176;nach dem Tode dc Lacaille's wurde er Mitglied der Akademie. ImJahr 1766 gab er ein Werk unter dem Titel heraus: Versuch über dieTheorie der Trabanten des Jupiter, mit Tafeln ihrer Bewegung.Das vorzüglichste seiner Werke: die Geschichte der Astronomie, ist sehrschon und in einem prunkvollen Stile geschrieben und wurde mit außer-ordentlichem Beisalle aufgenommen. Da im Jahr 1484 Mesmer mParis durch seinen Magnetismus vieles Aufsehen erregte, wurde Wil-ly von dem Könige beauftragt, diese neue Erscheinung zu untersuche»,und sein Gutachten bewies, daß er daS Wesen derselben bestimmt ge-nug erkannt hatte. Er erwarb sich hierdurch sowohl, wie durch seineUntersuchung über die bestmöglichste Einrichtung der Hospitäler, umdas Elend der Menschheit zu mildern, die größte Achtung als Gelehr-ter und als Mensch, und wurde nach und nach Mitglied der drei erste«literarischen Institute in Frankreich. Auf dieser hohen Stufe der Ach-tung und eines friedlichen Lebens, stand er, als die Revolution begann,sein Glück zerstörte, und ihm die größten Leiden zuzog. Gleichanfangs wurde er ins allgemeine Interesse gezogen, und zum Mai«von Paris erwählt. Stets suchte er Ruhe und Ordnung und die Aus-brüche der wilden Wuth des Volks zu hemmen, und sahe sich dabei oftzu gewaltsamen Maßregeln genöthigt. Allein dieß mochte auch derGrund seyn, daß er am iy. Sept. l?yk seine Eutlajsuna »ahm undsich in die Gegend von Nantes zurück zog, um in gänzlicher Verbor-genheiten leben. Doch die Unruhen wuchsen und er glaubte sich auchhier nicht mehr sicher, und schrieb deshalb an einen seiner Freunde nachMelun, den großen Astronom Laplace, ob er dort nicht vielleicht i»Sicherheit leben könnte. Dieser rieth ihm anfangs dazu, aber da dasSchreckcnsystem überhand nahm und Truppen ganz Frankreich durchzo-gen, die das Blut ihrer Mitbürger in Strömen fließen ließen, schickteihm Laplace einen Brief, in dem er ihm die Lage der Dinge vorstellte,und von seinem Vorsätze abzubringen suchte- Aber Bailly blieb diesemgetreu, wurde aber gleich bei dem Eintricte in diese Stadt von einemSoldaten erkannt, festgehalten und gefangen nach Paris gebracht.Hier wurde am n. Nov. 179z das Tvdesurtheil über ihn ausgespro-chen und am folgenden Tage vollzogen. Er hatte den Mutn gehabt,die Beschuldigungen, die man der Königin gemacht hatte, für falscheVerleumdungen zu erkläre», und diese sogenannte Anhänglichkeit a»die Äönigl. Familie wurde nun als Grund eines verdienten Todes ge-