Band 
Erster Band. A bis Comparativ.
Seite
405
JPEG-Download
 

Du! Bül 4«5

seine Gemahlin zu verstoßen und Annen zu heirathen, den er auch,trotz den Schwierigkeiten, die ihm der päpstliche Hof in den Weg legre»ausführte. Die Koketterie, die sie am Französische» Hofe gelernthatte, verließ sie jedoch auch als Königin nicht. Die Liede hatte sieauf den Thron gesezt, die Liede sezte sie wieder herunter. Um ihrden Stolz, als Königin z» sterdcn, zu rauben, ließ sich Heinrich, unterdem Verwände, daß sie schon vorher mit dem Lord Percy verheirathergewesen sey, erst von ihr scheiden. „Sie haben mich immer stufenweiseerhoben:" schrieb sie an Heinrich, ehe sie das Schaffet bestieg, „voneiner Demoiselle haben Sie mich zur Marquise (de Pembrvck), vor»der Marquise zur Königin gemacht: von der iezteu erheben Sie michheute zur Heiligen." Sie starb sehr gelassen, den iy> Mai 1536.Die Urtheile der katholischen und protestantischen Schriftsteller überdiese Person sind sehr verschieden; wahrend die eine» sie vertheidigenund rühmen, machen sie die andern zu einem Ungeheuer, als ob dieeine oder die andere Religion durch Anuens gutes oder schlechtes Be-tragen gewinnen könne.

Bulletin, eigentlich ein kleiner Zettel: man bediente sich die-ses Ausdrucks bei den Zetteln, auf welchen die Kardinäle bei der Papst-wahl ihre Stimmen gaben, also ein Wahlzettcl; dann heißt es ei»solcher Zettel, auf welchem von einem General kurzer Bericht von denVorfällen eines Tages bei der Armee, oder sonst gegeben wird, einTagzettel, Lagbericht.

Bülow, Heinrich von, war der Sohn eines wohlhabenden Edel-mannes, den seine Lebhaftigkeit zu allerlei thörigten Verschwendun-gen hinriß. Er genoß in dem Hause seines Vaters eine liberale Er-ziehung , machte sich dann in der Militärakademie zu Berlin mit denfranzösischen Formen vertraut, und wurde in einem Alter von vierzehnoder fünfzehn Jahren bei dem Infanterieregiment angestellt, das zu-lezt von Thiele hieß und damals zu Berlin in Garnison stand; von datrat er zu einem Kavallerieregiment über. Als aber das Reiten denNetz für ihn verloren hatte, lebte er bald sehr einsam, denn er wareben so unfähig, an den Zeitvertreiben seiner Kameraden Antheil z»nehmen, als diese sich für das, was ihn beschäftigte, interessiren konn-ten. Dieß war nämlich nichts Geringeres, als das Studium des Pv-Ivbius, des Tacitus und des I. I. Rousseau. Diese Schriftsteller er-füllten seinen Kopf mit so vielen neuen Ideen, daß sie sein ganze-Wesen veränderten. Bülow verlangte und bekam seinen Abschied undging nach den Niederlanden, wo damals eine Insurrektion gegen Jo-sevh 11. ausgebrochen war. Die hohe Meinung, welche man von derPreussischen Taktik hatte, verschaffte ihm bald eine Stelle in einemRegimenter doch dieLalentlosigkeit und Indolenz des Generals Schön-md gaben ihm gar keine Gelegenheit, sich auszuzeichnen. In seinenHoffnungen getäuscht, kehrte Bülow in sein Vaterland zurück. Hierfaßte er eine leidenschaftliche Liebe für das Theater, und brachte eineGesellschaft von Schauspiel, rn zusammen, bald aber verließ er auchdiese und faßte den Entschluß , eine Reise nach Amerika zu machen.Zu Begleitung seines Bruders schiffte er sich dahin ein. Er fand in-deß Amerika die Freiheit nicht, die er suchte, und von der er selbst»kerne deutliche Idee hatte. Mit dem Ueberdruffe, den getäuschte Er-wartungen immer erregen, verließ er die vereinigten Staaten, undkehrte nach Europa zurück. Indeß hatte der Handelsgcist der Amcri-kaner beide Bruder angesteckt. Sie wendeten den iezteu Rest ihrespaterllchen Erbes zum Ankauf einer beträchtlichen Quantität von Glas-