Band 
Erster Band. A bis Comparativ.
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grausamsten Kämpfe zwischen Liebe und Pflicht erzähle» wollte. Wäredie mir Angetraute ein Weib gemeinen Schlages, wäre sie minderbillig und großmüthig gewesen, so wäre ich längst zu Grunde gegan-gen. Was der Eigensinn weltlicher Gesetze nicht gestartet habe» wür-de, das glaubten drei Personen sich zu ihrer allerseitigcn Rettungvom Verderben selbst gestatten zu dürfen. Die Angetrauete entschloßsich mein Weib öffentlich und vor dcrWelt nur zu heißen, und dieAndere es zu seyn. 1784 verlor ich meine Frau, 1735 heirathete ichöffentlich und förmlich die Einzige, höchst Gefeierte meines Herzens,allein nach kurzem Besitze verlor ich sie schon im nächsten Jahre. WaSihr Besitz, ihr Verlust mir war, sagen meine Freuden - und Lrauer-I lieber." Nichts beugte idn iu der That so tief, als dieser VerlustI seiner Molly. Er hatte freilich Überbein durch eine unglückliche Pach-tung sein ganzes Vermögen, er hatte, weil die Cabale ihn verfolgte,durch freiwillige Resignation seine Stelle verloren, und seine ökono-mischen Umstände waren sehr zerrüttet; allein von diesem allen würdeer sich erholt haben- wenn jener Verlust ihn nicht alles Muthes undaller Kraft beraubt hätte. Nach Niederlegung feiner Stelle lebte erzu Gdttingen, erst als Privatdozent, dann nach ziemlich langerZeit als außerordentlicher Professor ohne Gehalt und der Lieb-iingsdicbter der Nation war genöthigt, seinen Unterhalt aufs küm-merlichste und dürftigste durch Lehnübersetzungen für Buchhändler zuerringen. Dennoch würde er erträglich gelebt haben, wenn nicht beiseiner Sorge für seine Kinder, denen er gern eine Mutter gegebenhätte, ein Gedickt von einem sckwabenmädche», das, wie es schien,von der Schönheit seiner Gedichte bezauberr, den Muth harte, ihmöffentlich ihre Hand zu bieten, ihm zu Gesicht gekommen wäre. 179awurde dieses Schwabenmädchen, mit Namen Elise Hab», seineGattin, und diese Verbindung für ihn eine Quelle des bittersten Kum-mers, welchen selbst die zwei Jahre darauf erfolgte gerichtliche Tren-nung derselben nicht mehr tilgen konnte. Einsam, ohne kräftigeI Freunde, an Leib und Seele heftig erschüttert, an Kraft und Vermö-ge» ganz erschöpft, mußte er durch elende Lvhuarbejten sein Lebenkümmerlich fristen. Ein Geschenk der Regierung zu Hannover halfdem drückendsten Mangel ein wenig ab. Es erweckte dies in dem ge-beugten Manne die Hofnung zu künftiger Besoldung wenigstens; er^ ähnele nicht, daß er deren bald nicht mehr bedürfen würde. Er starbden 8. Junius 1794. Denkt man sich nun den unglücklichen Dichterso im levenölänglichen Kampf mit seinem widerwärtigen Schicksal, somuß man erstaunen über das, was er dessen ungeachtet als Dichtergeworden ist. Er hat uns Lieder, Oden, Elegien, Balladen, erzählendeGedichte und Epigramme hinterlassen; in keiner dieser Arten behaup-tet er einen niedern Rang, in einigen hat ihn die Einstimmung derNarion seine Stelle unter den Ersten angewiesen. Schillers be-rühmte Rezension feiner Gedichte that B. sehr weh. A. W. Sch le-get ist in seinen Charakteristiken und Kritiken besonnener in dieMitte getreten, und man darf diesem sicher folgen, um ei» reinesKunsturlheil über unsern Sänger auszusprechen. Früher hatte manan ihm gepriesen, daß er allen Volksklassen genießbar sey, daß alles,mit dem sichersten Griff aus dem Mittelpunkte gehoben, alles, nichtblos gut, sondern einzig gedacht, empfunden und gesagt, der Aus-druck den Gedanken nicht angepaßt, sondern «»geschaffen sev. Ganzim Gegentheil fand Schiller, daß er in dem größten Theil derBürgerischen Gedichte den milden, sich immer gleichen, immer helle».