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Camper, Peter, geboren zu Leidenden n. Mai 1722, gestor-ben zu Haag den 7. April 1789, war unstreitig einer der gelehrtestenund scharssinnigsten Aerzte und Anatomen des verflossenen Jahrhun-derts. Doch kennt man ihn bloß von einer Seite, wen« mau nur seineVerdienste um Anatomie, Chirurgie, Entbindungskunst und gerichtlicheArzneuviffenjchafk kennt; auch für die Kenntniß des Schönen hat er nichtUnvedeurendeS geleistet, wofür erden Sinn theils in seinem Vater-lande, theils auf feinen Reisen vielseitig ausgebildet hatte. Nichtaber blos fein Sinn für Kunstschönheit war richtig und scharf gewor-den, sonsern auch sein Talent für schone Kunst harte er zu vervollkom-nicn nicht verabsäumt. Er zeichnete ungemein fertig mit der Jeder,malte in Oel, bossirte, und verstand den Bildhanermeisel zu führe».Dies alles aber geschah von ihm nicht blos, wie von Dilettanten ge-wöhnlich, nach einer Art Routine, sondern mit wirklicher Kunsteinslcht.Der genau und scharf beobachtende Anatom mußte nothwendig Einflußanf den Mann haben, den Neigung und Talent zur Beschäftigung mitder schönen Kunst hinzog: welchen Gewinn aber durste sich, vornemlichdie Theorie der bildenden Kuust, von der Vereinigung dieser beidenBeschäftigungen in einem solchen Manne versprechen l Nicht unbefrie-digt sind diese Erwartungen geblieben. Schon die Aufstellung seinerGesichtülinie ist nicht unwichtig. Der Grund nämlich, woraussich der Unterschied der Nationen gründet, besteht nach Camper in einergeraden, durch dre Höhlen des Obrs bis auf den Boden der Nase gezo-genen, und einer andern geraden Linie, welwe die Hervorragung desStirnbeins oberhalb der Nase berührt» und bis auf den am weiltenhervorragenden Theil des Kinubackenknvcbens gezogen wird; die Köpfenämlich in Profil betrachtet. In dem Winkel nun, den diese beidenLinien beschreiben, bestehe nicht allein der Unterschied der Thiere, son-dern auch der verschiedenen Nationen, und man würde sagen können, dieNatur habe sich gleichsam dieser Winkel bedient, um alle Verschieden-heiten der Thiere zu bestimmen, und sie gleichsam stufenweise bis zumSchonen der schönsten Menschen hinaufsteigen zu lassen. Die Vög«beschreiben die kleinsten Winkel, und diese Winkel werden größer, stnachdem ein Tbier sich mehr der menschlichen Gestalt annähert, wstaus den Affenköpfen erhellt, von denen einer einen Winkel von grGrad, ein anderer, dem Menschen ähnlichste, von 50 Graden be-schreibt. Der Kopf eines afrikanischen Mohren, so wie der eines Kai-nniken bildet einen Winkel von 70, der eines Europäers von 8c> Gra-den. (,,Kl. Schrift, die Arzneyk. undNaturgesch. betr.-^ 1, 15- Scha-de , daß hier die Abhandlung nicht ganz ist, und die zwei Kupfertafewfehlen.) Wenn man bedenkt, daß die Griechen ihr Ideal von yo bwzu ico Graden verschönert haben, und daß, was über diese Linie fausiein Ungeheuer wird; so wird man jene feine Bemerkung des verglei-chenden Anatomen für die bildende Kunst eben so wichtig finden, alssie, zumal nach Blumenbachs und Herders Ausätzen, suk bwNaturgeschichte ist, welche Camper übrigens auch durch seine AM-zergliederungen bereichert hat. Seine Abhandlung von den SprEwerkzeuaen der Affen, worin er darthut, daß dem menschenähnlichste»Aff-n die Rede durch eigene Seitensäcke. welche die Natur fl"Luftröhre hing, gleichsam absichtlich versagt sey, beendigte bisüber menschliche Bestimmung gehegte, nicht unerheblicheKehren wir aber zurück zur schönen Kunst. Man sieht schon aus lemrAufstellung der Gcsichtslinie, daß Camper auf Schönheit der Formeein vorzügliches Augenmerk müsse gerichtet haben. Merkwürdig »1