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Streben der Menschen durch die eine oder die andere bestimmtwird, je nachdem es diese oder jene andere Richtung nimmt, er»scheint die allgemeine menschliche Natur an den Individuen in dermannigfaltigste» Verschiedenheit.
Nächst dem Philosophen trägt keiner mehr bei, jene allgemeinemenschliche Natur und diese Verschiedenheiten derselben kennen zulehren, als der Künstler; jeder auf seine Weise. Der Philosophführt die einzelnen Aeußerungen einer individuellen Menschenna-tur auf deren beharrlichen Grund zurück, oder entwickelt au« die-sem, wie und welche einzelne Aeußerungen mir Nothwendigkeitdaraus hervorgehen müssen, kurz, er vereinigt jederzeit das Einzel-ne und oft ungleichartig Scheinende durch ein allgemein gültigesPrinciv; der Künstler faßt die empfindbaren Aeußerungen und Jageder Charaktere auf, und stellt sie dar »ach Crfoderniß seines je»desmaligen Zweckes, ohne raisonnirend zu den ersten Grün-den hinauf, zu den letzten Folgen herab zu gehen. Der Philosophstellt für die Vernunft, der Künstler für die Einbildungskraft dar.Diese letztere ist stets auf Anschaulichkeit gerichtet, aber nichtauf eine solche, die uns die Gegenstände wie im fernen Nebelvorschwimmcnd, mit nur schwankenden Umrissen, sondern auf einesolche, d<e uns dieselben mit den möglichst bestimmten Umrissenvor die Seele führt. Das Eigenste, Bezeichnendste des Gegen»standes muß zu diesem Behufe herausgehoben werden von derSeite, von welcher es gerade jetzt unsere Aufmerksamkeit fesselnsoll, und mit solchen Ingen dargestellt, welche die ehemalige ei-gene Beobachtung jetzt io lebhaft erneuern, daß wir gleichsam mitunmittelbarer Gegenwart des Gegenstandes getäuscht werden.Daher z. B jene Beiwörter Homers: das schwerwandelndeHornvieh, die erdaufwühlenden Schweine, der armstüz-zende Stab, der langausstreckende Tod u. s. w. oder derPappel silberwechselnde Blätter bei Voß u. a. m. Habe«über diese Dichter mit den hinzugefügten Beiwörtern etwas Anderesgethan, als charakterisier, den eigensten Charakter einesGegenstandes hervorgehoben, um diesen uns dadurch näher zu stel-len ? Poetische Schilderten und Beschreibungen würden sehr mattund kahl ausfallen ohne solche vergegenwärtigende und gleichsam be»lebende Charakterifirungen. Nicht aber in diesen allein find sienothwendig, sondern in jeder Gattung der Poesie, im Kleinsten wieim Größten, im Theile wie im Ganzen, und jede schöne Kunst er-bricht ihren Zweck gehörig nur durch sie. Zarter, feiner, tiefetSinn, rege, lebhaft auffassende Einbildungskraft für alle empfind»bare Aeußerungen und Züge des Charakteristischen in der Naturund Menschheit find dem Kuastgeuie wesentlich; eben dadurch er-schließt es in uns Andern den Sinn dafür, und lehrt uns auch indieser Hinsicht Welt und Leben kennen, wie wir sie vorher nie ge-kannt. Mit wie andern Augen sehen wir beide an» wenn derDichter, der Maler, Bildhauer» Tonkünsiler uns auf Erscheinun-gen, Aeußerungen, Zustände und Verhältnisse aufmerksam gemachthaben, an denen wir sonst, ohne sie zu beachten oder nur zu be-merken, vorübergingen. Wie eine neue Erscheinung steht dasAlte, lang Gewohnte vor uns, und häufig ergeht es uns wie je-nem Reisenden, der, als er nach verschiedenen Umständen derdukchreiften Länder befragt ward» antwortete: ja, das hätte ich