Band 
Zweiter Band. Von Compass bis Fleury.
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genstände Statt findet, allein in jener find sie als Entgegensetzungen,in diesem als Aehnlichkeiten vereinigt, dort, um desto mehr von ein-ander unterschieden hier, um verglichen zu werden. Die Antitheseist daher wirklicher Gegensatz, der Contrast bloß Abstich, undes ist als», den Contrast Gegensatz zu nenne», wie doch die meistenAesthetiker thun. D r Gegensatz, welcher widersprechend scheinendeDinge vereinigt, gewährt das Vergnügen des Witzes, und wird da-her von dem Verstand, der Contrast hergegc» wird unmittelbarvon dem Gefühl beurtheilt, so wie er sich auch bloß aus da- Ge-fühl bezieht. Denn Contrast ist nichts anders als Zusammenstellungzweier auf das Gefielst wirkender Gegenstände (Gestalten, Bewegun-gen, Töne, Charaktere. Gesinnungen, Gemülüsreivrgungen, Hand-lungen) zur Erhöhung oder Schwächung des zweiten Eindrucks inVergleichung mir dem ersten. Ein solcher Concrast ist schreiend,wenn der Uebergang aus einem Gefühl in das entgegengesetzte, nichtalimälstig und durch Mittellinien, sondern plötzlich und unerwartetgeschieht; er wirkt dann abstoßend, ist widerlich und im Leben oft ge-fährlich- Wer würde einer zarten Freundin die Nachricht vom Todedes Geliebten plötzlich und unvorbereitet bringen wollen? Und danngar in einem Augenblicke, wo ihr Herz der Freude hingegeben ist? —Wogegen aber im Leben der zartere Sinn sich sträubt, das wird unshäufig in der Kunst von Leuten. die vornehmlich aufs Ucberraschenausgeben. geboten- Verstünden sie etwas von dem wahren ästheti-sche» Contrast, so würden sie weder so unbarmherzig mit unsern Ge-fühlen umsvringen, noch alle Arten der ästhetischen Ertreme so buntunter einander würfeln. Sie wollen durch Contrast wirke», und ge-fallen sich bloß in den äußersten Cvntrasten, oder wissen die mitt-leren, sanften nicht zu treffen. Um einen Tugendhelden zu verherr-lichen stellen sie ihm ein lasterhaftes Ungeheuer an die Seite, demHelden den Feigen, dem Schönen das Häßliche. , Warum aber,„fragt Eberhard, der hi-r am richtigsten sah, „verschmähen die gro-ßen Meister dieses gemeine Mittel? Sie wissen zuvörderst, daß deräußersten Contraste nur wenig sind. Wenn sie sich also nur auf dieseeinschränken wollten, so würden sie in ihre Werke eine Einförmigkeitbringen, die den Dichter eben so sehr einer schimpflichen Unfruchtbar-keit des Geistes verdächtig machen als der schönen Mannigfaltig-keit seines Geistes schaden würde. Hicrnächst fühlen Sie, daß einpoetisches Werk so gut als ein Gemälde durch die äußersten Contrastehart wird. Sie k nnen so gilt wie der große Maler das Bedürf-niß, durch schwächere Unterschiede und sanfte Abstufungen die einzel-nen Farben ihres Gemäldes einander zu nähern, um in das Ganzedie schöne Harmonie zu bringen, die wohlthuender ist. als alles bun-te Gepränge des grellsten Kolorits. Sie stellen also nicht Tugenduns Laster, Tapst rkelt und Feigheit, Liebe und Haß neben einander,sondern sie fetzen die eine Art der Tugend, der Tapferkeit, der Lie-de, einer andern an die Seite: der männlichen Tugend die weib-liche , der rauben die sanfte; die rode Tapferkeit eines Ajax dem j»«gendlichen Muthe eines Achilles und dem bedächtigen eines Ulysses;die väterliche Liebe Hekcors der mütterlichen der Andromache."

Daß der Coulrast die Quelle der Rührung sey, d. h. des Zu-standes einer augenbllcklichen Hemmung, und gleich darauf erfolgen-den stärkeren Erqießung des Lebensaeistes im Gemüthe, wodurch einaus Unlust und Lust gemischtes Gefühl erregt wird, ^werden wir imArt. Rührend erweisen. Auf einer besondern Art deS Contrastes