Cosmus 95
Tadel sich nicht auf die Nachbildn» von Meisterwerken bezieht, dieman eben so wenig tadeln kann als die gelungenen Nachbildungenselbst, fordern ans eine gewisse Art der Nachahmung. Aue bil-dende Kunst muß natürlich von Nachahmung ausgehen, weil sie ihreVorbilder in der Natur hat; es fragt sich aber, wie der Knnsmrdabei verfährt. Es gibt eine frei e Nachahmung und eine knech-tische; bei jener übertrifft der Künstler durch Geschmack die Wirt.lichkeir, d.i dieser verdoppelt er sie nur, ohne etwas hinzuzuthunoder wegzulassen, und dies Verdoppeln kann nur mit einer kleinli-chen Aengstllchteit bewerkstelligt werden, die sich mit vollendeter Kunst-darstellung durchaus nicht verträgt. Wie mit Nachahmung der N«rur,so der Kunstwerke. Der Copift derselben bleibt iedrLUch dcim Modelldes Meisters stehen, darf nur mit dessen Augen sehe«. Kein Wun-der, daß man nvn der Evpie den ^wang «»siebt, daß sie stets werd.Wenn aber gleichwohl einer es nicht wagt, oder mcht «ermag, auch»er eigenen Darstellungen von Vorbildern, ftp es, der Natur oderder Kunst, sich zu entfernen; so ist er der eig ntlichc Coplst. undmemand wird sich wundern, daß von solchem nicht eben günstig ge-sprochen wird. ES springt in die Augen. daß er in der schönen Kunstnur tagelöhnert. Deshalb darf man aber nicht sogleich alles E opl-ten unbedingt verwerfen; das Evpirc» nach der Natur nicht, weiles dient, h e Naturwahrheit sicherer zu erreichen; das Coprren nachWerk.» gut» Meister nicht, denn wer sich bloß ««die Natur haltenwollte, würde bald, wenn er wirklichen Beruf zur Kunst hat, finden,tv>e wahr es in Hinsicht auf Natur sey:
Die Blätter sind zu colossal,
.. „ Und ihre Schrift gar seltsam abbrevlrt. .... .
A§bald ist es gewiß nicht zu tadeln, daß der Schüler H«"d undBlick an Werken der Meister übe; nur darf er freilich nickt dabeistehen bleiben , sondern muß auch den Verstand üben, rnchr an einemeinzigen Vorbild haften, daS Verfehlte wie das Gute seines MustersKennen, und durch Verglcickung mehrerer zur wahren Kunst sicherheben. Sv beginnt er mit Evpiren, erhebt sich zur freien Nachah-und endet als Künstler. Ludiviq Caracci wurde einst gefragt,Welchen Maler er am meisten schätzte? Den, antwortete er, der vonven Besten daS Beste sich anzueignen versteht. (MLtvLLrs. Lvkrn»t^rrics Z, H8r.) G. übrigens Modell. _
Cosmusl. Alsim nisten Jahrhundert im obern Italien v>e Her-Me, Grafen und fvuverainen Leibeigenschaften aufgehoben» fast alleStädte Republiken wurden, und der Adel in die Städte ziehen?mßte, schien das Schicksal noch einmal das alte Griechenland wie-derholen zu wollen, denn ohne außerordentliche politische Große, diev" der Jerftucheluiig nicht möglich war, erwachte doch in diesen Staa-«n «„ Araftgrfuhl, welches, nach allen Seiten regsam wirkend, dieE^reulichiren Erscheinungen hervorbrachte. Bald blühte Obentalrenvor «gen Staaten Curopa's durch Handel und Manufakturen, »ber-alle nicht an Wohlhabenheit bloß, sondern a» freier KulturGeistes, an Wissenschaft und Knust. Anr freien Kultur des Ger-oen ^ die republikanische Verfassung, zur Kräftign,,« desselben trü-be, . Kämpfe der kleinen Staate» unter sich und in sich nicht wenig. ' .'«ls in die<en Kämpfen der Parteien sich einzelne kühne oderMänner zu Dictatoren erhoben hatten, und aus diesenSeworden waren, wetteiferte» diese mit einander, nicht nur« «»lehn und Macht, sondern auch >» der Beförderung der Wisse«'