Band 
Zweiter Band. Von Compass bis Fleury.
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§6 Cosinus

schasten und Künste sich nicht nachzustehen. Die Geschichte mehrererjener kleinen Hofe ist dadurch zugleich eine Geschichte der Künste ge-worden, die nie schöner blühten als eben damals, wo alles sich ver-einigte, den Enthusiasmus für sie zu beleben. Unter den Staareu,welche sich aus diese Weise auszeichneten, verdient in mehr als einerHinsicht Toskana oder Florenz zuerst genannt zu werden. Die Ver-fassung von Florenz begünstigte den Handel, der Geist des Volks wardazu geneigt. Unermeßliche Reichthümer erwarb sich durch diesenHandel die Familie Medici, und durch sie bald einen überwiegen-den Einfluß. In einem aus dieser Familie, dem ältesten CoSmo(Cosinus), vereinigte sich alles, ihm den Naiven Vater dps Vaterlandszu erwerbe». Seine Pracht, sein Edelmuth, seine Tugenden gabenihm in der Zuneigung und den Verathschlagungen seiner Landsleuteein solches Gewicht, Laß zwar die demokratische Regicrungsform bei-behalten wurde, Cosmo aber in der That das Haupt der Republikwar, in dem Stande eines Privatbürgers die höchste Gewalt besaß,und einen beträchtlichen Theil derselben auf seine Nachkommen ver-erbte. So dauerte nur der Schein eines Freistaats fort, währendeine einzelne Familie die Staatsangelegenheiten fast so uneinge-schränkt verwalt, te, als wäre sie söuveraine Macht gewesen. An Par-teien gegen sie und kräftigem Gegenwirken fehlte es freilich auch nicht,und ungeachtet der großen Liebe, welche besonders die älteren Medicigenossen, mußte doch ibre Familie in weniger als einem Jahrhundert(von I4ZZ—IZ27) Florenz dreimal räumen, mehr als eine Ver-schwörung wurde gegen sie angesponnen, und Alerander, ein Urenkelvon Cosmo dem Vater des Vaterlandes, wurde zwar izzo zum Her-zog ernannt, allein sechs Jahre darauf von seinem Verwandten L»-renzo verrätherisch ermordet. AIs diese That ruchtbar ward, versam-melten sich sogleich die Vornehmsten des Staats. Bewogen von deN>Eifer des Cardinals Cido, der mit den Medici verwandt war, undGnicciardini's Vorstellungen, der ihnen die Unordnungen der alte»demokratischen Rcgierungssorm mit sebhasten Farben malte, stimm-ten sie ein, Cosmo von Medici, den letzten männlichen Erbe»dieses berühmten Hauses, einen Jüntzling von iz Jahren, zum Ober-haupt des Graals zu erklären. Inzwischen hatte der Mörder Alexan-ders eine Freistart gefunden, Philipp Strozzi und andere Misver-gnügte vereinigten sich mit ihm, wiegelten andere auf, brachten Mann-schaft zusammen, und drangen mit einer beträchtlichen Anjabl Trup-pen i»s Florentinische Gebiet ein, »m die Demokratie Toskana'swieder her, oder sich selbst an die Spitze der Regierung zu stelle».Die Personen aber, welche Cosmo erwählt hatten, besaßen auch M,t-tel, seine Regierung zu befestigen, und Klugheit genug, sie vorthcll-liaft anzuwenden. Schleunig warben sie Truppen, wandten ausMittel an, die angesehensten Bürger zu gewinnen, dem Volke d>e 'Regierung des jungen Fürsten angenehm zu mache», und bewarbensich vor allem um den Stutz des Kaisers Karls V. Da ibr Interesseauch das Interesse Karls war; so erreichten sie glücklich ihren Zweck.Die Truppen der Verbündeten wurden bei Nacht überfallen, die vor-nehmsten Anführer gefangen, »nd LoSmv'ü Herrschaft war vollkom-men befestigt. Strozzi, um der Todesstrafe zu entgehen, entleibtesich im Gefängniß, andere wurden hingerichtet. Man beschuldigtihn der Grausamkeit und des Argwohns, auch ist wohl manche grau-same Handlung von ihm bekannt und das Jnquisitionsgcricht gege»Friedensstörer und Rebellen verrufen; gewiß ists aber auch, daß