Band 
Zweiter Band. Von Compass bis Fleury.
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Fab

§.

§abel, wird in der Poetik im doppelten Sinne gebraucht, indemman einmal in epischen und dramatischen Gedichten das Gewebe dekBegebenheiten, dann aber auch eine eigne Dichningsart mit diesemNamen bezeichnet. Zum Unterschied pflegt man die Dichtungsarkdie äsopische Fabel, öfters auch Apvlog, zu nennen. Wen»man von der Fabel der epischen und dramatische» Gedichte spricht,so geschieht es im Gegensatz von Geschichte. Diese letzteremuß treu, die Begebenheiten müssen so dargestellt seyn, und waufeinander folgen, wie es in der Wirklichkeit der Fall war; desDichter« Darstellung hingegen strebt nach Schönheit, sein dargestellttes Ganzes soll gefallen, er wird also die Begebcnbeiten so ordne»und einrichten müssen, wie es sein Zweck erheischt. Nicht das Wirk-liche soll er darstellen, sondern das Mögliche, nicht wie es war,sondern wie es wahrscheinlich ist; nicht mit historischer Treue, sau-bern mit poetischer Nothwendigkeit. Der Dichter läßt daher weg,was nicht wesentlich zum Ganzen gehört, ändert ab, damit sich aliaszum Zwecke füge, setzt hinzu, wodurch dieser besser erreicht wird.Such der historisch gegebene Stoff wird dadurch Werk seiner Erfin-dung, er schafft etwas Neues aus dem Alten. Mag der Stoff v»»der Geschichte geliehen oder neu erkunden seyn, so unterwirft ihn d"Dichter dem Gesetz der poetischen Form, von welcher an feinern O"?wird gehandelr werden. Abgesehen nun von dem, was zur Be-handlung der Fabel gehört, kommt bloß der Grad in Betracht, >"welchem sie interessant ist. Ein wichtiger Punkt ist aber nochVerhältniß zum Charakter. Mehrere Aesthetlkcr setzen die Fab"über die Charakteristik, da ohne Geschichte kein Charakter etwa»vermöge, jeder Zufall alles zertrennen könne u. s. w. Mit REaber entgegnet Jean Paul: „Ohne innere Nothwendigkeit istPoesie ein Fieber, ja ein Fiebcrtraum. Nichts ist aber nothwcnb'»als das Freie; durch Geister kommt Bestimmung ins UnbestiniEdes Mechanischen. Die todte Materie des Zufalls ist der gaE»Willknhr des Dichters unter die bildende Hand gegeben. Wer Z. Aim entscheidenden Aweikampf erliegen, welches Geschlecht aufaussterbendcn Throne gebore» werden soll, das zu bestimme» bl"^in des Dichters Gewalt. Nur aber Geister darf er nicht ändern -wie Gott uns die Freiheit bloß geben, nicht stimmen kann.warum oder wodurch bar der Di»ter die Herrschaft über die knew^tische Zufalls-Welt? Nur durch ein Ich, also durch dessen ChatAter erkält eine Begebenheit Gehalt; auf einer ausgestorbeuen L-Aohne Geister gibts kein Fatum und keine Geschichte." Die äsopllwFabel oder den Apvlog rechnet man mit Recht zu den didaktischendichten, und zwar ist sie eine Art Allegorie. Man kann sieals Darstellung einer praktischen Regel der Lebensklugheit oder ^beuswelsheit unter einem aus der nicht moralischen Welt h^rgeno»neuen Sinnbild. Sie besteht demnach ans zwei wesentlichen >0?len, dem Sinnbild aus der nicht moralischen Welt »nd der Anw jbuug, einer daraus gezogenen Lehre, die man mit Unrecht