igs Italiänische Buchhaltung
ganze Zustand einer Handlung, sie sey auch von einem so ausgebrei-teten Umfange, wie sie woll«, zu jeder willkührlichen Stundeeingesehen und beurtheilt werden kann. Das Buchhalten überhaupt,oder die Wissenschaft Rechnungs- und Handlungsbücher zu führen,ist so alt wie der Handel, und zerfällt in das einfache und dop-pelte Buchhalten. Das einfache Buchhalten ist vom äl-testen Ursprünge, und schon die Phönicier führten darnach ihreRechnungen. Bon diesen kam die einfache Buchhaltung in der Folgezu den Griechen und Römern, von welchen es das übrige Eu-ropa erlernte. Bei Handlungen von geringem Umfange ist sie nochjetzt gebräuchlich. Denn bei derselben führt der Kaufmann nurzwei Bücher, als: ein Journal, in welches er täglich alles hin-ter einander einträgt, was man ihm, oder was er andern für ver-kaufte, oder für erkaufte Waaren schuldig ist, und was hiervonvon Zeit zu Zeit bezahlt wird. Aus. diesem Journale trägt er beigelegener Zeit alles in das zweite, oder Hauptbuch, unter diedaselbst für jede mit ihm in Verkehr oder Geschäften stehendenKonti ein. Was man ihm schuldig ist, oder was er bezahlt hat,wird den Parteien in Debet gesetzt, was hingegen ihm bezahltwird, oder was er schuldig ist, wird den Parteien in Kredit ge-schrieben. Wenn also der Handelsmann das Debet und Kredit zu-sammenrechnet, und mit einander vergleicht, so kann er bald finden,was er andern schuldig ist, oder von ihnen einzunehmen hat. Esist aber diese Buchhaltung deswegen unvollkommen, weil nicht jedeAusgabe und Einnahme, sondern nur diejenige ins Buch eingetra-gen wird, bei welcher es auf eine Abrechnung mit andern ankommt.Weit vollkommener ist daher die doppelte Buchhaltung,welche die Jtaliäner höchst wahrscheinlich schon rm raten Jahrhun-derte , bald nach Einführung der Bank zu Venedig, erfunden ha-ben, obgleich die Schrift des ersten Schriftstellers von derdoppelten Buchhaltung, des Jtaliäners Lucas Pac-cioli, nicht früher als 1494 zu Venedig gedruckt worden ist. InEngland gab der Schulmeister Hugh- Oldeastle 164?, und inDeutschland der nürnberger Bürger Johann Gottlieb iS 3 i dieerst« Schrift von der doppelten Buchhaltung heraus. Sie er-fordert vorzüglich nachstehende acht Handlungsbücher, näm-lich i) das Memorial- 2) Cassa- 3 ) Journal- 4) Haupt-5 ) Monatliche Balance- 6) Waaren-Calculations-7) Waaren-Scontro- und 8) Banco-Scontro-Buch.Der Grund von der doppelten Buchhaltung ist die richtige Kennt-niß des wahren Sinnes der beiden Wörter Kredit und Debet.Aller Empfang ist Debet und alle Ausgabe ist Kredit. AllerVerlust ist Debet, und aller Gewinn Kredit. Beide Wörter brauchtder Kaufmann sowohl in Rücksicht wirklicher Personen, als auch inRücksicht der Rechnung immer mit Beziehung auf Sachen und Per-sonen. Mit einem Worte, alles was er kauft, empfängt oder inVerwahrung nimmt, wird Debet, wie derjenige, dem er etwas be-zahlt; da hingegen alles, was er verkauft, ausliefert, oder aus sei-ner Verwahrung giebt, unter das Kredit kommt, wie derjenige,welcher ihm etwas bezahlt oder borgt. Zur doppelten Buchhaltungist endlich ein richtiges Inventarium (s. d. Art.) nothwendig, wel-ches auf der einen Seite in den vorhandenen gangbaren Geldern,beweglichen und unbeweglichen Gütern, Waaren und Activschulden,auf der andern Seite aber in Passivschulden besteht, und durch Ver-