lZ8 Italiänische Sprache Italiänische Poesie
erwecknng der classischen Litteratur, fortdauernd mit einer Reinheitgeschrieben ward, welche unter den gegebenen Umständen wahrhaftbewunderswürdig ist. Als nun durch Einwanderung nördlicher Völ-kerschaften die Sprache des Lebens gänzlich umgestaltet worden, d»bildete sich, bei steter Fortdauer der altrömischen Schriftsprache, jenenneuen Volksdialccten gegenüber auch eine neue Schriftsprache, dochlangsam, -weil Dichter und Gelehrte, von welchen die hetzte ihreBildung erhalten mußte, sie zum Theil als barbarischen Abfall vondem Lateinischen verachteten und verschmähten. So ist es gebliebenbis auf den heutigen Tag. In keinem Bezirk Italiens findet sichrein als Volkssprache jenes Idiom, dessen melodischer Wdhlklanguns in dem unoedeutendsten italiänischen Schriftsteller unwidersteh-lich mit fortzieht und ein Irrthum ist es, wenp Ausländer glauben,Boccaccios Sprache werde in dem Munde toscanesischcr Bäuerinnenoder florentinischer Facchini's vernommen. Auch die toscanesischeund florentipische Sprechart entfernt sich durch Eigenthümlichkeitenvon dem reinen Schrfftidiom, welches während der frühesten Jahr-hunderte der ital. Litteratur, wo dieses in Neapel und Sicilien er-blühte , hei Dichtern jener Lander reiner gefunden wird, als in denwenigen gleichzeitigen toscancsischen Schriftstellern. Nur der Zufäl-ligkeit, daß die spätern großen Häupter italiänischer Poesie undProsa in Florenz geboren wurden, zum Theil auch den noch späte-rer» Ermächtigungen toscanesischcr Academien, namentlich derjeni-gen della Crusca, verdankt es dieser Dialect, daß, ungeachtet sei-ne rauhen Kehllaute den übrigen Jtalianern ein Aergerniß sind,er doch vor allen Sprecharten seinen Antheil an der gesammtenSchriftsprache den bedentendeften nennen darf. Schon Dante derSchöpfer der italiänischen Prosa und Poesie, dessen Werke reich anEigenthümlichkeiten verschiedener Mundarten sind, behauptet imTractate sie vulzari eloguenria mit bestimmtester Deutlichkeit,daß es unzuläßig sey, einen Dialect zur Schriftsprache erheben zuwollen. Wenn Dante ferner in der liriZua vos^ars (so nannte mandie neuere, nach dem Einfall der Barbaren entstandene, in denverschiedenen Gegenden Italiens verschiedene Sprechart) ein voizsrsillustre, osröiusle, auliouiu, aurcals unterscheidet, so beweisetdies wol deutlich, daß schon er die gegebene Ansicht hatte. Fernow(röm. Stud. B. 3. sis" All-) zählt i5 verschiedene Hauptmundarten,unter denen die toscanesische wieder auf 6 Untergattungen hat. DieMundarten, in welchen sich keine litterarische Hervorbringung findet,find dabei noch unerwähnt. Denn unter jenen aS Hauptmundarten,hat jede ein oder das andere Werk auszuweisen, das den Dialech,meistens bloß um des Autors Liebe zu seiner Geburlsstadt willen,der eigentlichen Schriftsprache vorzog. So viel schien in geographi-scher und historischer Hinsicht im allgemeinen über ital. Sprache zusagen zu seyn. Mehr in ihr inneres Wesen einzugchn, war bei dennothgedrungenen Gränzen dieses Artikels nicht rathsam. Der Un-kundige würde nicht genug, der Kundige immer zu wenig finden. Um.
Italiänische Poesie. Im raten bis hinein in das r3teJahrhundert findet sich in Italien bloß fremde Poesie (die Prosa bil-dete sich ungleich später), die ritterliche Liebespoesie der Provenxalenund Troubadours. Dem damaligen Jtaliäner, und besonders demLombarden verständlich durch ihre Nachbarsprache durchzogen diesewandernden Sänger Italien, und fanden, besonders an den Hofla-gern der lombardischen Großen die freundlichste Aufnahme, bereitet
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