Italiänische Poesie rzy
durch gleiches Bedürfniß schöner und ergötzlicher Reime, welches dieVölker des Südens gemein haben, wäre es auch aus bloß sinnlichemWohlgefallen am Gesänge. Zum Beweis wie in jenen ritterlichenSeiten die Troubadours als schönste Zierden fürstlicher Höfe erachtetwurden, dient das Beispiel Raimondo's Berlinghieri's, Grafen vonBarcellona, welcher 1164 Friedrichen den Rothbart in Turin besuchte,begleitet von einer Anzahl provengalischer Dichter. In seiner Sprachezu reimen und zu fingen wagte kein Jtaliäner, Mästro Ferrari un-ter Uzzo VIII. Herzog von Ferrara reimte in provengalischer Mund-art. Scodello von Mantua reiste selbst in die Provence, damit ersich so leichter der dopt einheimischen Sprach - und Liederwejse be-mächtigte. Allzunahe Nachbarschaft der Provcncalen mit den Lom-barden ließ bei diesen nicht leicht das Bedürfniß und die Lust aneinheimischen Liedern erwachen. Venedig, Genua, Florenz und dieandern Freistaaten Italiens ermangelten bei bürgerlichen Parthei-fehden und Händel des ritterlichen Sinnes, dem die provenxalischeRittexpoesie zusagen mochte. Der Geist des Papstthums hindertegleichmäßig in seiner Nähe die Aufnahme der pxovenxalischen unddie Entwickelung der einheimischen Poesie. ,,Nvr bei den Sicilia-nern konnte sich italiänische Poesie entwickeln. Denn sie, ein poeti-sches Volk seit dem Alterthume, sprachen einen Dialect dex sanftgenug war um darin mit Anmuth zu dichten. Weiter Gewinnsuchtnoch scholastische Fehden stumpften ihren Sinn für das Schöne ab.Nicht so leicht als den Lombarden war es ihnen, provengalischeSänger in ihre Mitte zu ziehen oder selbst in jenes Land derLiebe und Dichtkunst zu wallfahrten, aber es schallten genug derLieder zu ihnen hinüber, welche sie ermunterten in eigener Mundartähnliche Versuche zu wagen, ^ um so mehr als ihnen ein Hos nahewar, reich an Mustern ritterlicher und fürstlicher Tugend; Fried-rich II. seine Jugendjahre ngg—1212 in Palermo verlebend, kröntemit eigener Hand einen Dichter, und nicht nur von seinem KanzlerPetrus de Vincis, und Heinrichen von Sardinien, Friedrichs na-türlichem Sohn, von dem nachherigcn Kaiser selbst sind noch die ge-fälligsten Reime vorhanden. Ein Wechselgesang des Eiullo oderVincenzo d'Alcam» in Form und Charakter ganz der provenxalifchenPoesie «»gehörig, ist das älteste Denkmal jener frühesten sicil. Periode,deren Spuren nach sich verlieren, wahrend mit dem bologneserGuido Guinicelli -j- 1276 und andern ihm geistig und in der Zeitverwandten Dichtern die eigentlich sogenannte altitaliänische Dichter-schule anhebt. Gleichzeitig verbot die Republik Bologna 1288 denProvenxalen sich auf öffentlichen Plätzen hören zu lassen. Genanntzu werden verdienen noch: Guittone d'Arezzo; von ihm ein BuchGedichte und 40 Briefe moralischen Inhalts, besonders merkwürdigals der erste bekannte Anfang italiänischer Prosa. Brunetto Latini(1-20 in Florenz) Dantes Lehrer; von ihm der Tesoro, ein Inbe-griff alles damals wiffenswürdigsten. Der Florentiner Guido Ca-valcanti und Dante von Majano. Die Formen der ältesten ital.Poesie, unstreitig dem Arnaut Daniel und andern berühmten Pro-vengalen nachgeahmt, ihre Ausbildung aber erst von den späternMeistern erwartend, sind jedoch meistens dieselben, worin sich dielungern Hervorbringungen der ital. Dichtkunst bewegen, mannichfacheArten der Canzonen, Ballaten und Sbstinen; unsere Litteratorenwollen schon bei den Provengalen das regelmäßige Sonett von 14Zeisin finden; daß es altsicilianische ortLvs rinne giebt (achtzeilize