Italiänisches Theater 14Y
folge« sie stets jene französische Theaterdccenz, welche freilich beieinem Hofdichter zu Anfange des verwichenen Jahrhunderts unerläß-lich schien. Aber an zierlicher Eleganz einer wohllautenden Sprache,an musikalischer Weichheit des Ausdrucks für allgemein angenom-mene Aeußerungen der Leidenschaft, besonders der Liebe, dürften sievielleicht lange unerreichbar bleiben. Alsicri, gegen Ende des >8te»Jahrhunderts, bildet in seinen Tragödien den durchgängigen Gegen-satz des Metastasio. Ohne Tiefe der Charakteristik, ohne poetischenGlanz der Phantasie, athmen seine Tragödien, welche in steifste«Regelmäßigkeit herkömmlicher aristotelischer Regeln gebildet sind, deneisernen Trotz seines altrKmischen Gemüthes, welches sich sogar inder »»dichterischen Einförmigkeit und Starrheit des Dialogs aus-spricht. Als eine merkwürdige Gattung des ital. Theaters erschei-nen die Schäferspiele des Taffo und Guarini, der Amyntas des er-ster», , der getreue Schäfer des letzter». Nur von diesen beidenbrauchen wir zu sprechen. Sie haben die Schäferspiele eines Niccolovon Correggio, Agostino Bcccari, Einthio Giraldi, Agostino Ar-gunti und Buonacelli auf immer verdunkelt. Die Vereinigung allersüßesten Laute aus dem Theocrit, Anacreon und den Erlogen desVirgils in den wunderschönsten und reinsten ital. Versen, gelangdem Taffo ohne der Selbstständigkeit seines Genius Abbruch zu thun.In seiner Schäferwelt, welche einzig aus antiken Idyllen genommenzu seyn scheint, vernehmen wir die innigsten Laute der Liebe. Inden Gesprächen und Klagen seiner Hirten entfaltet sich der volleGeist moderner Liebe. Doch erscheint der Amyntas im Vergleich zudem getreuen Schäfer als ein Werk gestaltloser Süßigkeit. Spracheund Verse sind gleich schön, allein das Ganze in seiner wunderbarglücklichen Verschmelzung des romantischen Geistes mit den Formendes antiken Theaters, und auf ächt antike Ansichten vom Schicksalgegründet, ist unendlich tiefer. Vorzüglich die Chorgesänge spreche»von den erhabensten Mysterien der Liebe in den göttlichsten Tönen.In dem Lustspiele gingen die Jtaliäner ebenfalls von einer solori-schen Nachahmung der Alten aus. Nicht waren ihnen aber die groß-artigen Phantasiereichen Lustspiele des Aristophanes höchstes Muster,sondern die der Römer, des Plautus, des nüchternen Terentius.Diese Nachahmungen nannte man im Gegensatz zu dem improvisir-ten Lustspiel, coiriinuckie ariräite (gelehrte Comödien). Die Lust-spiele des Ariost und die Clizia des Macchiavelli belegen dies. Desletzter» übrige, allerdings florentinisch nativnelle Lustspiele, sindvoll der ärgerlichsten Anstößigkeiten, und beweisen, wie einer dereminentesten Köpfe aller Zeiten und Völker ohne alle Ahndung fürjenen höhern und geläuterten Charakter der Comödie seyn konnte,welchen wir im Shakespeare bewundern. Die Lancia des jünger»Michael Angelo Buonarotti (,6o6) ist um ihrer feinen florcntinischenPopularität »Villen wohl eins der vorzüglichsten ital. Lustspiele, ob-gleich auch in ihr wenig Talent zu erkennen ist. Goldoni. in derletzten Hälfte des igten Jahrhunderts suchte durch seine nüchternenbürgerlich moralisirenden Comödien der bei dem Volk beliebtenOoi„«,Stii 3 r-el? auf einmal ein Ende zu machen. Er ist, umihn den Deutschen in zwei Worten zu chaxakterisiren, der ital. Kotze-bue, ohne jedoch des Deutschen leichtes Talent und oft gefälligenWitz zu haben. Ihm entgegen suchte Gozzi die improvisirte Kolks-comödie durch Veredelung derselbe» zu retten. In Tragicvmsdjen,deren Inhalt früher aus den buntesten Mährchen, später aus dem