Italiänische Prosa iZr.
wollte im wissenschaftlichen Styl der ital. Voltair werden. Becca-ria (1764), über Berbrechen und Strafen, und Filangieri (178a),über Gesetzgebung, sind Muster einer anspruchslosen und würdevollenProsa. Bon Algarotti hat man auch Dialogen, welche so wenig alsCaspar Gozzi Aufsetzn gemacht haben. Sperone Speronis ^vor >583)wissenschaftliche Dialogen würden nichts zu wünschen lassen, wennsie den wahren dialogischen Charakter so gut zu treffen gewußt hät-ten, als den Ausdruck acht antiker Prosa. Berni's Satyren in Pro-sa (vor 1ZZ6) sind gehaltlos. Pietros Aretinos (vor r566) Satyrengegen den Lebenswandel der ital. Geistlichkeit, originell, suchten aberfrecher Lüsternheit unter dem Schein der Satyre zu schmeicheln.Riccolo Francs (vor iZgsi), in seinen persönlich satyrischen Dialo-gen, gab der Satyre die möglichst elende Richtung. Als Verfasservon Briefen sind die schon erwähnten Bembo und della Casa be-kannt. Correct mögen sie seyn, von der einfachen Simplicität desBriefstyls sind sie weit entfernt. Die Briefe des Annibale Earo(vor r566) verdienen diesen Tadel wenig oder nicht. Algarotti'nwurde es möglich, in dieser Gattung, durch Beobachtung französi-scher Auster, etwas besseres zu leisten. Einige andere, weniger be-deutende, übergehen wir, An eigentlichen Rednern ist Italien höchstarm, und muß es seyn bei dem System des Papstthums, der Ein-richtung der Gepichte, bis zur Französirung des Landes in neuestenZeiten, und den politischen Verfassungen, welche großentheils schonin früheren Zeiten freie Reden fürchteten. Als geistliche Rednerwerden genannt: Atzgidius von Viterbo, zu Ende des -zürn, unddie beiden Paolo Segnieri, Jesuiten, zu Anfange des igten Jahr-hunderts. Als Rechtsgelehrte: Pjetro Baduaro und Cornelio Fran-zipani. Die politischen Rehen eines della Casa und Sperone Spe-roni bei Gesandtschaften und andern öffentlichen Angelegenheiten, sind„herrliche Denkmahle einer Schreibart in corrccten und sonoren Pe-rioden." Um der Merkwürdigkeit willen verdienen erwähnt zuwerden: „die academischen Schwatzreden (Cicsiste), die nach derStiftung der Crusca, in der letzten Hälfte des äfften Jahrhunderts,eine Belustigung der Acgdemien wurden, und unter den Abhandlun-gen derselben in oratorischem Style einen Platz gefunden haben. Jirdiesen läppischen Haranguen wurden allerlei beliebige Gegenstände,nach Art einer akademischen Vorlesung, possenhaft verhandelt," Soetwas konnte wohl nur in Italien vorfallen. Ueberhaupt ist derseltsam fantastische Geist der ital. Akademien, unter denen, so vieleauch nachher sich durch ganz Italien nach demselben Muster bildeten,die unter dem fchäferlichen Namen der Arcadier in Rom 1690 ge-gründete, sich auszeichnet, etwas dieser Nation ganz eigenthümliches.Der freie Geist der Jtaliäner in dem eigentlichen Mittelalter, diegroßen vielbewegten Schicksale des Landes zu Ausgange des Mittel-alters, erweckten mehrere ausgezeichnete Historiker. Aeitverwandtmit Dante sind Ricordano Malaspjna, Giovanni Villani, DinoEompagni und der Ungenannte von Pistoja. Noch heute werdendiese Vater der ital. Geschichte als grammatische Autoritäten ange-führt, oder, wie die Jtaliäner sich ausdrücken, als Muster desSprachtextes. Giovanni Villani, mit Recht der berühmteste, um-faßt in zwölf Büchern die Geschichte seiner Vaterstadt Florenz, vonihrem Ursprung bis zum Jahr 1S48, wo der Autor starb. Sis-mondi glaubt ihn in mehreren Beziehungen den Herodot seines Vol-kes nennen zu können. Von Macchiavellis classischer Geschichte der