Italiänische Kunst 155
deutung ist. — In der venetiamschen Schule findet man nicht jeneplötzlichen Revolutionen, die wir bei den beiden erstgedachten sahen.Sie schritt stufenweiser und ruhiger zum Ziele. Zu ihren Begrün-dern gehören Galasio von Ferrara (0. 1240), Sen. Filippo, Gua°rii'nto von Padua (0. 1ZS0), Luigi Vivarino (0. 1400), Antonelloda Messina , Sguascionc (c. 1470), Bittore Carpacio, di Bellini(c. rSoo), Marco Basaiti, welche nach und nach das Joch des altensteifen Geschmacks immer mehr abschüttelten. Endlich kam Gior-gione del Castelfranco (1477 — 1S11), der nebst seinem Zeitgenosse»Tizians Wecelli (1477 "" 1676) als eigentlicher Stifter der Schuleanzusehen ist. Doch erst letzterer brachte die Kunst auf den Stand-punkt, den sie auf einem dieser Schule eigenthümlichen Wege erreichthat. Wir meinen hiermit die Natürlichkeit und Wahrheit der "Zeich-nung sowohl, als ganz besonders das Colorit. Ihre Schüler Se-bastians del Piombo, di Palmq, Pordenone, Andrea Schravone,vorzüglich Tintoretto und Paolo Veronese, werden stets berühmtbleiben, weil sie, fast immer die Natur bei ihren Arbeiten zu Ratheziehend, nur äußerst selten manierixt wurden. Allein schon in denspätern Künstlern, Paolo Farinati (geb. 1622) , Dom. Ricci, Be-nedetto und Earletto Eagliari (der erste war der Bruder, der an-dere der Enkel des Paolo Beronese), Zelotti, sing die Schule zu sin-ken an. Ihr Verfall wurde immer sichtbarer im Leon Corona,Santo Pergnda, Gambarato, Cantarino und andern Manieristen,weiche gegen die Mitte des iSten Jahrhunderts lebten. Der neueSchwung, welcher zu Ende des iSten Jahrhunderts durch Barottari,Al. Turchi, Tib. Pinelli und Carls Ridolfi in die Kunst zu kommenschien, war nur das letzte Auflodern einer verlöschenden Flamme,und Carls Sarazeno, Pietro Liberi, Carlotto, Antonio Dalcstra,Gius. Nogari, Seb. Ricci, Rosalba Carriera, Fr. Lrevisani, Pia-zetta und Tiepolo, bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts, kön-nen nur einen schwachen Schimmer von der ehemaligen Größe dervenetiamschen Schule geben. — Die Geschichte der lom bardischenSchule ist, da sie eine Menge kleiner Schulen verschiedener Städte,Ferrara, Parma, Modena, Mantua, Mailand, Bologna rc. in sichbegreift, eigentlich in der früheren Zeit zu trennen. Allein da durchdie Caracci eine Vereinigung aller in die eine bolognesische herbei-geführt wurde, so kann man sie mit gutem Grund vereint betrach-ten. Unter den Stiftern dieser Schule verdienen außer GiovanniAlighieri (a. riZo), der Handschriften mit schönen Mignaturen ver-zierte, Galaffo (a. ,5go), Gir. Macchetti, besonders Lorenzo Costaund Ercole Grandi (st i5Zi), die Doffi, Benv. Garofalo, der Freundund Schüler Rasaels, die Filippi und Carl» Bosoni (geb. i56g),sämmtlich aus Ferrara, genannt zu werden. Unter den Modenescrnzeichnete sich aus Thomas v. Modena, oder Mutina (0. iZSo), denman für einen böhmischen Mahler hat halten wollen, Serafini, Pel-legrino, Andr. Brggarelli (a. i5oo), Bart. Graffi, eigentlich ausParma, Vinc. Foppa (a. 1460), Poiidoro und Michelangelo Cara-vazio, Gand. Ferrari, die Campt, Lomazzo (e. i5Zo), die Pro-caccini und Bianchi. Bor allen aber waren die Bologneser Franc»(c. -570), Vitale, Simone de Crocefiffi, Lippo, Dalniasio, der be-rühmte Franc. Francia (geb. 1450), die Ramcnghi, besondersBagnacavallo, Jnnocenzo da Jmola, Tibaldi, Fontana und seineTochter Lavinia, Sabbatini, Sammachini, die Pafferotti und derantwerpncr Dionys. Calvart, Lehrer der Caracci, von großem Ein.