i6o Jacob
stLrker rm Herzen dem gefürchteten Tage des Zusammentreffens mitEsau entgegen und wußte den xauhen aber edlen Bruder durch zu-vorkommende Unterwürfigkeit zu versöhnen. Die Rückkehr zu denväterlichen Zelten macht einen wirklichen Abschnitt in der Charakter-bildung Jacobs. Jene zweideutige Schlauheit und Erwerbsamkeit,worin er ein eben nrcht ehrwürdiges Original unter den Patriarchenund das Vorbild des setztlebenden Geschlechts seiner Nachkommen ist,scheint wie später bei diesem gedrückten Volke schon bei ihm nur dasRothmittel gewesen zu seyn, sich unter den zwangvollen Verhältnis-sen der Abhängigkeit durchzuwinden. Als selbstständlger Hausvaterund Herr seines Eigenthums zeigt er sich nun seiner Vater werthund dem Abraham, wenn auch nicht an Kraft und Größe, doch anFrömmigkeit und zärtlichem Vatersinn gegen die Seinigen ähnlich.Aber gerade von ihnen mußte er die meisten Kränkungen erfahren.Da er zwei rechtmäßige Frauen und dazu nach Landessitte noch zweiMägde derselben Bilha und Silpa als Beischläferinnen, also 4 Wei-ber mit rr Söhnen und einer Tpchter zusammenzuhalten hatte,konnte es ihm auch an häuslichem Zwist und Kummer nicht fehlen.Die geliebte Rahel starb ihm bald nach seiner Heimkehr, seine Toch-ter Dina schändete ein Fürstensohn der Hevither und seine unbän-digen Söhne rächten sie durch Mord und Plünderung an diesem Vol-ke. Er konnte es eben so wenig hindern, als die Blutschande seinesältesten Sohnes Rüben mit der Bilha, denn nachgeben, duldenund für die Fehltritte seiner Jugend büßen schien nun einmal seinLovs. Das größte Herzeleid machte ihm aber der Verlust seines ge-liebtesten Sohnes Joseph, dessen blutiges Kleid die Brüder, dieden Beneideten an eine ismaelitisch« Handelscaravane verkauft hat-ten , als das Zeichen, daß er von wilden Thieren zerrissen wordensey, dem bekümmerten Vater brachten. Doch eben dies Unglück ent-scheidet das Schicksal des Hauses Israel. Joseph, durch sein« Weis-heit am Hofe der Pharaonen zu den höchsten Ehrenstellen emporge-stiegen (s. d. Art. Joseph) erkennt seine Brüder, da sie um Ge-traide einzukaufen nach Aegyptcn kommen, verzeiht ihnen und ruftdas ganze Haus seines Vaters aus Canaan, umnn einer fruchtbarenGegend Aegyptens zu wohnen. So umarmte der alte Jacob nach lang«!Jahren den todtgeglaubtcn Liebling wieder und genoß unter seinemmächtigen Schutze noch ein glückliches Alter. Kurz vor seinem Todeversammelte er seine Söhne um sein Sterbebett, und sprach über je-den einen besondern Segen voll bedeutender Ahnung des Charaktersund der künftigen Schicksale seines Stammes aus (s. d. Art. He-bräer). Seinem vierten Sohne Juda gab er darin den Vorzugder Erstgeburt, dessen Rüben durch jene Unthat und Simeon undLevi durch den Mord der Hevither sich unwürdig gemacht hatten;seinen Enkeln, den Söhnen Josephs, Manasse und Ephraim verlieher aber gleiches Recht mit seinen übrigen Söhnen. Der StammJuda wurde auch wirklich der mächtigste unter den 12 Stämmen derHebräer, und nach ihm nennen sie sich noch jetzt Juden. Jacobs letztemWillen gemäß begrub ihn Joseph im Erbbegräbnisse Abrahams vordem Haine Mammre in Canaan. Den reichhaltigen poetischen Stoff,den die Scenen aus Jacobs Leben in der heil. Urkunde darbieten,hat die Kunst mannichfach verarbeitet und in der That war es nichtschwer eine Geschichte in das Gebiet der Poesie zu ziehn, b« schonan und für sich durch die lebendige Individualität ihrer Situationen,durch wunderbare Verwickelungen und unerwartete Auflösungen an-