164 Jacob III.
Prinz von Wales öffentlich und feierlich von Ludwig XIV. für denrechtmäßigen König von England, Schottland und Irland aner-kannt und Jacob Ilk. genannt, der sich nun auch sowol öffentlich,wie in seinem Palaste als ein solcher zu benehmen ansing. Er wardnicht allein von Frankreich, sondern auch von Spanien, dem Papste,den Herzögen von Modena und Parma öffentlich airerkannt, duhm-gcgen aber von dem englischen Parlamente des Hochverraths fürschuldig erkannt und auf ewige Zeiten vom Throne ausgeschlossen.Ludwig XIV. versicherte ihn zwar Fortdauer seiner Unterstützungund gab ihm das Versprechen, ihn wieder auf den englischen Thronzu setzen. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, daß er, besonders-inder letzten Zeit, sich Jacob III. nur wie eines Schreckbildes betrach-tet habe, um mit demselben England stets in Furcht zu erhallen.Unterdessen waren in Schottland , wo man über die Bereinigungdieses Landes mit England sehr unzufrieden war, bedeutende Unru-hen ausgebrochen, welche Ludwig XIV. zu seinem eignen Besen undnebenbei auch zu Gunsten seines Schützlings zu benutzen beschloß.Dw Zahl der Anhänger Jacob III. vermehrte sich täglich in jenemLande, und es hatte allerdings das Ansehen, als ob eine Uebcrkunftdesselben, die allgemein gewünscht wurde, auch die Losung zu einerEmpörung in Schottland geben würde. Ludwig XIV. unternahmn..n im Jahr 1708 eine Expedition dahin, an deren Spitze sich Ja-cob III. befand: der elende, vcrtheidigungslose Zustand, in welchendie Parteisucht der Engländer das Land damals versetzt hatte, trugdazu bei, die Erwartungen Jacobs zu beleben und ihn einen glück-lichen Erfolg seiner Unternehmungen hoffen zu lassen. Als das Un-ternehmen Jacobs in England bekannt wurde, setzte das Parlamenteinen Preis von 100,000 Pfund Sterlingen auf den Kopf des Prä-tendenten; ein Name, dessen man sich bei dieser Verhandlung zumerstenmale ofsiciell bediente. Die Flotte ankerte an den schottischenKüsten. Noch ehe man aber darüber einig werden konnte, ob undwo man landen sollte, erscholl die Nachricht von der Annäherungeiner überlegenen englischen Flotte, und nun hatte Jacob nichts ei-ligers zu thun, als mit der seinigen nach Frankreich zurückzusegcln.Er mußte darauf, eben so willenlos, als er der Expedition nachSchottland beigewohnt hatte, als Freiwilliger unter dem Herzogevon Burgund den Feldzug in den Niederlanden mitmachen, wo er,nach dem Zeugnisse dieses letzter», manche Beweise persönlicher Ta-pferkeit zu erkennen gab. Ludwig XIV. sah sich von Jahr zu Jahrimmer mehr in die Nothwendigkeit versetzt, Frieden mit den Eng-länder zu schließen, und diese machten die Entfernung des Präten-denten und die Anerkennung der Königin Anna zur Hauptbedingungder Friedenspräliminarien. Diese hatte bis dahin, wie man ver-sichert, in geheimem Briefwechsel mit ihrem Bruder, dem Präten-denten gestanden und ihm sogar versprochen, wenn er dit protestan-tische Religion annehmen werde, zu Gunsten seiner die Regierung«iederzulegen. Wie es sich nun auch mit dieser Cvrrcspondenz undden Gesinnungen der Königin für ihren sogenannten Bruder verhal-ten mag; so ist doch so viel gewiß, daß diese Verhandlungen durch-aus keine Folgen hatten. Im Jahr 171Z erfolgte nun endlich derAbschluß des utrechter Friedens, in welchem sich Ludwig XIV. ver-pflichtete, den Prätendenten ohne irgend eine Unterstützung für dieEegenwart, noch für die Zukunft, aus seinen Staaten zu entfernenund die hannovrische Erbfolge auf keine Weise zu stören. Nun starb