Jacobi 167
Wissens, der Sympathie mit dem Unsichtbaren, der unbedingtenHingebung in die Gnade Gattes kam, ist hier crefflich entwickelt,und gezeigt, das Jacobi's Philosophie in der That nichts anderssey als der in Begriffe und Worte gebrachte Geist eines individuel-len Lebens. Unter solchen Umstanden ists denn wol nicht zu verwun-dern, wenn Iacobc's Philosophie von manchen, welche sich öffentlichüber dieselbe geäußert haben, für durchaus unverständlrch erklärtworden ist, wozu der Grund schwerlich allein in der Ermangelungder wissenschaftlichen Form liegen kann. Wie es nun aber damitsich auch verhalten möge, so hat Jacobi doch gewisse Verdienste umdie Philosophie sich durch seine Polemik erworben, worin er dieLücken, die Folgen, den Unzusammenhang nicht bloß dieses und je-nes Systems, sondern auch der herrschenden Denkart des Zeitaltersmit kritischem Geist und mit der hinreißenden Beredsamkeit des ge-rechten Unwillens aufgedeckt hat- Es war natürlich, daß Jgcobrbei seiner in ihrer Art einzigen Philosophie nicht leicht der Schülereines andern Philosophen werden, sondern den Philosophen des Zeit-alters, wenn er mit ihnen in Berührung kam, nur als polemisiren-der Kritiker gegenüber treten konnte, und in dieses Verhältniß kamer mit dem dogmatischen Mendelssohn, dem critischen K a,u r,dem idealistischen Fichte und dem pantheistischen S «Helling. Diemit dem Letzteren, durch Jacobi's Schrift von den göttlichenDingen und ihrer Offenbarung (Leipz. 1811) veranlaßteStreitigkeit ist in unsern Tagen zum Theil mit Erbitterung geführtwordeu. Es ist hier der Ort nicht, uns auf diesen Streit einzu-lassen, wir wollen bloß aufmerksam darauf machen, daß SHel-ling bei dieser Gelegenheit etwas hervorgebracht hat, was zur nä-heren Eharskteristik und Würdigung Jacobi's dient, ich meine inSchellings Denkmal der Schrift von den göttlichenDingen (Lübing. 1812) den Abschnitt des Geschichtlichen, worinnachgewiesen ist, in welchem Verhältniß Jacobi zu Wissenschaft undTheismus, zu Philosophie und Religion, und zur Litteratur überhauptgestanden habe. Es bedarf indeß wol der Erinnerung nicht, daßdiese Würdigung nicht völlig frei von Einseitigkeit und mit Behut-samkeit zu gebrauchen ist. Wem fällt hiebei nicht ein, was Jacobibereits vor Zo Jahren von sich sagte: „Natürlich ist die Verfolgung,welche derjenige erfahrt, der mit Wahrheiten, die HerrschendenLehrgebäuden zuwiderlaufen, auftritt. Diejenigen, welche ihn nichtfassen, verachten ihn und höhnen ihn aus; fie begreifen nicht, wieein Mensch so wenig begreifen, so blind und so verkehrt seyn kann.Die andern ergrimmen, und zwar in demselben Maaße, wie sie ihreWahrheit durch die entgegengesetzten Gründe angegriffen, ihre Ue-berzeugung minder oder mehr erschüttert fühlen. Hiedurch aber darfsich niemand abschrecken lassen. Einigen Beifall erhält die gründlichvorgetragene Wahrheit immer. Hie und da finden sich Köpfe, die,wenn kein äußerliches Interesse sie daran verhindert, wenigstens soviel davon aufnehmen, als sich mit ihren Grundsätzen, ihren Vorur-theilen oder Lieblingsmeinungen zusammen reimen läßt. Nicht vonallen wird derselbe Theil, sondern bchnah von jedweden ein anderergewählt, in Schutz genommen, und in einen Zusammenhang ge-bracht, der einen andern Zusammenhang aufhebt. So kommt nachund nach das Ganze in Umlauf, bildet sich aus und um, läutertund verbessert sich, und die Erkenntniß gewinnt allmählig Vollkom-menheit und Fortgang." Wirklich ist es mit Jacobi's Philosophie